Berne/Nordholz - „Wie stellt ihr euch eigentlich Piraten vor?“, fragt uns Kapitänleutnant Tino Engels, der von Beruf Militärflieger bei der deutschen Marine in Nordholz ist. Er fliegt als Hubschrauberpilot im Cockpit eines Sea Lynx MK 88 A.

Normalerweise denke man bei Piraten an bärtige Männer mit Augenklappe, Holzbein und großem Schiff, oder auch an die Piraten aus dem Film „Fluch der Karibik“. Doch das entspreche nicht der Wirklichkeit, erklärt uns Engels. „Die heutigen Piraten sind meistens einfache Fischer mit Existenzproblemen, die besonders an den Küsten West- und Ostafrikas sowie in Südostasien aktiv sind“, sagt er.

Von einfachen Fischern seien sie nur bei genauer Betrachtung zu unterschieden, sagt Engels. Meist hätten sie Enterleitern, viele Benzinkanister und große Motoren an Bord ihrer kleinen Fischerboote. „Bis zu 500 nautische Meilen fahren sie bei Wind und Wetter aufs Meer hinaus. Sie fordern Lösegeld in Millionenhöhe von den Eignern der Schiffe, die sie überfallen“, erklärt Engels. Meist seien das große Handelsschiffe.

Genau dort setze die Arbeit der Militärflieger der Marine an. Ihre Aufgabe sei es, die Piraten aufzuhalten und davon abzubringen, die Handelsschiffe zu überfallen, sagt Engels. In einem ersten Schritt versuchen die Militärflieger die Piraten mit Lichtsignalen zum Anhalten zu bewegen, erklärt uns der Hubschrauberpilot.

Wenn die Piraten nicht reagieren, geben die Militärfliegern Warnschüsse vor den Bug oder auf den Schiffsmotor ab, berichtet Tino Engels. Die Marine könne die Piraterie auch durch ihre Einsätze nicht ganz verhindern, sie könne nur gegen sie vorgehen, um die Anzahl der Angriffe zu vermindern, erklärt Tino Engels.

In den Ausbildungshallen des Marinestützpunktes dürfen wir uns die Helikopter und Flugzeuge dann von innen ansehen. Dort erklären uns Piloten die Technik und Bedienung der Militärflieger und zeigen uns die Ausstattung der Piloten, die aus Helm, Schwimmweste, Überlebensanzug sowie Trockenanzug besteht.