Molbergen - Einmal in der Hängematte unter einer großen Palme liegen – und das nicht irgendwo in der Südsee, sondern auf der großen Lichtung im Schulwald der Anne-Frank-Schule Molbergen nahe des Wasserwerks Augustendorf. Diesen etwas exotischen Traum haben die Schüler der Schulwald-Arbeitsgemeinschaft. Jeden Montag – auch bei Wind und Wetter – arbeiten jeweils sechs Schüler in ihrem Wald. In der Weihnachtszeit hatten sie Fanta-Kuchen gebacken und verkauft, um sich ihren Traum zu erfüllen. Nun kann die Palme gekauft werden.

Auf dem 7000 Quadratmeter großen Gelände haben die Schüler der Anne-Frank-Schule seit 2014 etwa 4000 junge Bäume in die Erde gesetzt und somit einen Mischwald mit 34 verschiedenen Baumarten geschaffen. Jedes Jahr werden 7000 kg CO² durch diesen Wald in Sauerstoff und Kohlenstoff umgewandelt – ein ganz wichtiges und nachhaltiges Ergebnis der Arbeit, wie Horst Wieting, Leiter des Waldpädagogikzentrums in Ahlhorn errechnet hatte.

Die Stiftung „Zukunft Wald“ hat dazu für dieses Projekt „Schutzwälder gegen Klimawandel“ einen Vertrag mit der Schule abgeschlossen, der über 30 Jahre läuft. Auch mit dem Grundstückseigentümer – in Augustendorf ist es der OOWV – ist ein solcher Vertrag zur Überlassung des Grundstücks abgeschlossen worden. Die Schule pflanzte standortgerechte Bäume. In der Folgezeit hat sie die Aufgabe, den Wald zu unterhalten, abgestorbene Bäume zu ersetzen, den Wildschutzzaun zu kontrollieren und ähnliches. Auch eine Streuobstwiese wurde angelegt.

Inzwischen ist ein Lehrpfad entstanden. Er verbindet die 34 verschiedenen Baum- und Straucharten. Am Lehrpfad sind kleine Infotafeln aufgestellt worden, die zuvor von der Schulwald AG in der Schule angefertigt worden sind. Bilder und Kurzinformation in den Schaukästen informieren kompakt über typische Erkennungsmerkmale und Besonderheiten der unterschiedlichen Baum- und Straucharten.

Der Lehrpfad führt am Ende zu einer größeren Lichtung. Hier sind zwei überdachte Sitzbankgruppe entstanden. Mit einer mobilen Klimastation können die Schüler alle relevanten Klimafaktoren wie Temperatur, Niederschlag oder den Wind messen. Außerdem kann der ph-Wert des Bodens bestimmt werden. Festgestellt werden kann auch, wie viel Licht die Pflanzen im Wald in den verschiedenen Schichten bekommen oder welche Temperatur die verschiedenen Bodenschichten haben.

Aber auch Wildbienenkästen und Nisthilfen für Insekten wurden aufgestellt und ein Lesesteinhaufen zusammengetragen. „Hier siedeln sich Kröten und Frösche an“, weiß Fachlehrer Markus Schulte, der die Schüler betreut.

„In diesem Halbjahr haben wir Dornbüsche beschnitten, eine Blühwiese angelegt und die Bäume beschnitten“, erzählt Niklas Boxhorn. Johannes Fischer hat sich vorwiegend um den Rasen auf dem Lehrpfad gekümmert und ihn gemäht und getrimmt. „Aber im Rahmen der Werkstatttage haben wir auch einen Film über unseren Schulwald gedreht“, ist Julian-Maurice Frohne ziemlich stolz auf seine Sprecherrolle in dem Film.

Eine unendliche Geschichte ist die Reinigung der vielen Infotafeln. Immer wieder sehen sie grün-schwarz aus durch Staub und Algen. „Aber der Text soll ja lesbar sein“, wissen die Schüler, die jetzt Ende Januar anderen Schülern Platz machen müssen. „Wir haben so viele Bewerber, dass jeder Schüler nur ein Halbjahr in dieser Arbeitsgemeinschaft sein kann. Im neuen Schuljahr ab Februar kommen andere Schüler zum Zuge“, erläutert Fachlehrer Schulte.

Ob die Schüler unter ihrer Palme, die sie sich schon in einem Fachgeschäft ausgesucht haben und unbedingt noch pflanzen wollen, je in einer Hängematte liegen werden, scheint bei dem langsamen Wachstum eher nicht realistisch. „Aber wir arbeiten ja nachhaltig. Vielleicht können unsere Kinder den Baum genießen“, trösten sich die Schüler.