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Bildung Montessori als Pate für private IGS

Wildeshausen - Unter den Füßen knirscht der Kies, uralte Bäume spenden Schatten. Am Bachlauf zwitschern Vögel, nebenan traben Pferde auf der Weide. Was ausschaut wie Idylle pur ist ein Schulgelände. Die Privatschule Spascher Sand ist wohl die ungewöhnlichste Schule im Landkreis Oldenburg und eine der jüngsten. Am Sonnabend, 17. Mai, feiert sie ihr zehnjähriges Bestehen.

„Wir haben 2004 ganz klein mit zwei ersten Klassen begonnen“, sagt Petra Sechting. Sie ist für das Marketing der Schule verantwortlich. Ein Bereich, der in Spasche wohl viel wichtiger ist als anderswo. Denn: Die idyllische hat gerade in den ersten Gründerjahren polarisiert. Reichen-Schule, Elite-Schmiede. Begriffe, die das Gründer-Ehepaar Rixen eigentlich nie im Sinn hatte.

Traum von kleiner Schule

Die Rixens stammen aus Solingen, erzählt Sechting. Die Industriellenfamilie verbrachte viel Zeit im Großraum Bremen. „Sie lieben die Natur hier“, sagt die Pressesprecherin. Irgendwann bauten die Rixens ein niedersächsische Bauerhaus zum Feriendomizil um. „Frau Rixen ist Montessori-Pädagogin. Ihr Traum war immer eine kleine Schule in der Natur mit Pferden für die Kinder“, erzählt Sechting weiter. Und kurz nach der Jahrtausendwende fiel jemand bei einem Austritt das alte Gut Spasche auf. Das lag damals im Dornröschenschlaf – und verfiel langsam aber sicher. Die Rixens verliebten sich sofort in den Ort. Hier sollte ihre Schule entstehen.

Ersten Schüler 2004

Nach langen Verhandlungen mit dem alten Besitzer, hohen Investitionen in die Sanierung und vielen Gesprächen mit den Genehmigungsbehörden konnte 2004 die ersten Kinder aufgenommen werden.

„In den beiden 1. Klassen waren es damals jeweils 16 Kinder“, sagt Sechting. Wenn man schon eine Grundschule hat, dann würde eigentlich auch ein Kindergarten passen. Also wurden auch gleich zwei Kita-Gruppen mit ins Leben gerufen – für Geschwisterkinder und für die Fortentwicklung der Schule.

„Zunächst hatte man nur an eine kleine Grundschule gedacht“. Doch dann stand irgendwann die Frage im Raum: Wo sollen die Kinder ab Klasse 5 hin? „Nach längeren Diskussionen haben wir uns dafür entschieden, eine IGS zu gründen“, berichtet Petra Sechting. Ganz bewusst habe man sich gegen ein Gymnasium entschieden. Die Lernpläne der IGS ließen mehr Gestaltungsspielraum für die Ideen an der Schule. Und man wollte ein Angebot für alle Kinder schaffen – auch für die, die vielleicht in Klasse 5 noch nicht den Leistungsstand eines Gymnasiasten haben.

In Anlehnung an Montessori entstand das Konzept. Zu dem gehört auch die weit beachtete Farmschule. In Klasse 7 steht dabei der Bereich Ernährung, Landwirtschaft, Natur im Mittelpunkt. Da wird ein Kühlkeller gebaut oder eine Imkerausbildung gemacht. Gemeinsam legen die Schüler Gemüsegärten und Obstwiesen an oder bauen Gewächshäuser. Es werden Lebensmittel zugekauft und es wird für den ganzen Jahrgang gekocht. All das findet fächerübergreifend statt. „In Mathematik zum Beispiel werden Einkäufe kalkuliert, in Biologie über Schädlinge im Gemüsegarten gesprochen“, erklärt Sechting. So findet ein praxisorientierter Unterricht statt. Was soll ich damit später? Diese klassische Schülerfrage stellt sich zumindest in der Farmschule eher selten.

Die Weiterentwicklung der Schule war damit allerdings noch nicht beendet. „Zum kommenden Schuljahr starten wir mit der gymnasialen Oberstufe, die in drei Jahren zum Abitur führen wird“, sagt Sechting.

Nicht nur die kleine Montessorischule ist gewachsen. Auch das Gelände. Als die benachbarten Bundeswehr-Liegenschaften aufgegeben wurden, wagten die Rixens den nächsten Schritt. Zunächst wollte man nur die Sporthalle, die schon länger von den Kindern mitbenutzt werden konnte, für die Schule sichern. Dann boten sie Teile der Kaserne als Unterrichtsräume für die älteren Schüler an.

Doch nur für eine Schule wäre das Gelände zu groß gewesen. „Die Idee entstand, dort ein Wohn-Ressort zu schaffen“, sagt Petra Sechting. Mittlerweile sind die ersten Villen bezogen, etliche befinden sich im Bau. Es gibt einen ersten künstlichen See, zwei weitere sollen folgen. Dazu weitere Villen und luxuriöse Appartementkomplexe. Ein Refugium für Betuchte – mit alten Bäumen und neuen Bachläufen...

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland
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