MüNCHEN - Im Kalender ist es seit langem dick angestrichen: In einer Woche geht es in den Urlaub. Zu dumm nur, dass sich auf dem Schreibtisch noch jede Menge Arbeit stapelt. Das kann einem die Freude auf den Urlaub ganz schön vermiesen. Es geht aber auch anders.

Ein typischer Fehler ist es, zu spät mit der Urlaubsvorbereitung anzufangen. „Wenn man das erst auf den letzten Drücker macht, ist der Stress natürlich umso größer“, warnt die Organisationsberaterin Siglinde Sonnenholzer aus München.

Wer bis zur letzten Minute noch Aufträge abarbeitet, ist danach womöglich so fertig, dass er seine freien Tage gar nicht mehr genießen kann. „Wenn jemand am Freitag noch bis 23 Uhr im Büro sitzt und dann mit Vollstress in den Urlaub geht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er in der ersten Woche krank wird“, sagt Prof. Dirk Windemuth vom Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in Dresden.

Die Arbeitsmedizinerin Ulrike Roth vom TÜV Rheinland in Darmstadt erklärt, warum das so ist: „Das ist ein typisches Phänomen, wenn auf eine hohe Belastung eine Entlastung folgt. Das Immunsystem gibt dann zunächst alles, und danach lässt die Abwehrkraft nach.“

Zur Übergabe gehört auch, Urlaubsvertreter zu benennen, ergänzt Sonnenholzer. Ist jemand für unterschiedliche Bereiche zuständig, können auch mehrere Kollegen diese Rolle übernehmen. Das muss in jedem Fall vorher mit ihnen abgesprochen werden. „Sie müssen wissen: Was liegt gerade an? Und was ist zu erwarten, während ich weg bin?“ Als nächstes sollte sichergestellt werden, dass Post, E-Mails und Telefonanrufe weitergeleitet werden, „damit nichts verloren geht“, sagt Sonnenholzer. In ihrem E-Mail-Postfach richten Mitarbeiter am besten eine automatische Abwesenheitsnotiz ein.

Entlastend ist es, vor dem Urlaub den Schreibtisch aufzuräumen. Entdecken Mitarbeiter am letzten Tag noch etwas Unerledigtes, sollten sie die Arbeit tunlichst nicht mit in den Urlaub nehmen. Denn das ist Gift für die Erholung. „Den Laptop in den Koffer zu packen und den Kollegen die Nummer im Urlaub hinzulegen, ist der worst case“, sagt Psychologe Dirk Windemuth.

Ein Anruf vom Chef im Urlaub ist ihm zufolge keine Auszeichnung dafür, wie wichtig man im Job ist: „Wer unverzichtbar ist, hat Managementfehler gemacht.“ So komisch es klingen mag – es sei ein gutes Zeichen, wenn die anderen hinterher sagen: „Wir haben Dich gar nicht vermisst.“