Scharrel - Wenn Christa Jelinek an diesem Mittwoch die Litje Skoule Skäddel, also die Scharreler Grundschule, das letzte Mal verlässt, rollen die Bagger. Dann wird nämlich die Grundschule für den Ganztagsbetrieb im kommenden Schuljahr umgebaut. Christa Jelinek wird aber nicht mehr in den Genuss der neuen Räume kommen, denn sie wurde am Dienstag in einer Feierstunde im Bonifatiushaus in Scharrel von ihrem Schuldienst in den Ruhestand entlassen.
Seit 2006 war die 60-Jährige in Scharrel als Rektorin tätig. Ihr Motto dabei: „Schule 06 bis 60“, erklärte die Lehrerin ihren Gästen am Dienstag, „ich war mein Leben lang in der Schule – vom sechsten Lebensjahr bis zum 60sten.“ Das habe ihr Leben geprägt. Ihren Dienst trat sie am 1. Februar 1975 in Berenborstel in der Stadt Garbsen an. Schnell ging es aber wieder in den Landkreis Cloppenburg: Dort unterrichtete sie nämlich in Altenoythe und auch an der Grundschule in Kampe.
Als sie nach Scharrel kam, erkannte sie gleich, wie wichtig dort die saterfriesische Sprache ist. „Sie hat das Anliegen unserer Kultur zu ihrem Anliegen gemacht“, lobte Bürgermeister Hubert Frye das Engagement in Sachen Saterfriesisch. In ihrer Dienstzeit bekam die Grundschule nämlich ihren saterfriesischen Namen und auch der mehrsprachige Unterricht im Saterfriesischen wurde eingeführt. Nicht nur Bürgermeister Frye lobte ihre Arbeit, sondern auch Konrad Barth von der niedersächsischen Schulbehörde, der Jelinek ihre Entlassungsurkunde überreichte, lobte das Engagement der Schulleiterin.
Ihre „Ausschulung“ – wie Jelinek die Feierstunde selbst nannte – begleiteten auch einige Schüler der Grundschule. Die zeigten Gesangsbeiträge in saterfriesischer Sprache und einen Puscheltanz. Der Höhepunkt war aber das Theaterstück „Vom Löwen, der nicht lesen und schreiben konnte“. „Sie, Frau Jelinek, haben hier jedes Jahr Kindern das Lesen und Schreiben beigebracht. Wir erzählen nun von einem Löwen, der das nicht gelernt hat“, erklärte zuvor eine Schülerin.
Die Entscheidung über die Nachfolge von Christa Jelinek ist noch nicht getroffen. „Ich weiß aber, dass eine Bewerbung vorliegt und bin optimistisch“, verriet Bürgermeister Hubert Frye.
