Oldenburg - Daniel Kaszanics ist Absolvent des Abendgymnasiums. Nach zwölf Jahren im Beruf hatte er sich gefragt: „Soll es das gewesen sein?“ Kaszanics entschied sich, das Abitur nachzuholen. Heute sagt er: „Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.“ 2012 verließ er die Schule, nach drei Jahren, mit einem Abi-Schnitt von 1,9 – geschafft neben einem 40-Stunden-Vollzeit-Job.

Der 35-Jährige schwört auf die Schule, die ihm das ermöglicht hat: „Beim Abendgymnasium sieht man, welche Möglichkeiten in einem stecken, und es öffnet neue Türen für die Zukunft von jedem, der es besucht. Dazu kommen ein mit Herzblut für seine Schüler arbeitendes Kollegium und eine herausragende Klassengemeinschaft, die das gemeinsame Schicksal aus Job und Abendschule schafft. Die Zeit am Abendgymnasium war eine Zeit, die ich nicht missen möchte und die mich bis heute mit Stolz und Freude erfüllt.“ Kaszanics studiert heute Engineering Physics an der Universität Oldenburg.

Das Abendgymnasium, das seinen Sitz mit dem Oldenburg-Kolleg an der Theodor-Heuss-Straße hat, bringt seit 55 Jahren Menschen auf dem zweiten Bildungsweg zum Abitur und Fachabitur. Auch jüngste Studien belegten den dringenden Bedarf, sagt Schulleiter Bernd Beime: „Wir sind nicht überflüssiger, sondern wichtiger geworden.“ Die Schule eröffne Perspektiven und ermögliche soziale Mobilität. Ihre 130 Schüler kommen aus dem ganzen Nordwesten. Die Qualität hat sich herumgesprochen. Beime: „Das ist eine normale staatliche Schule, und der Besuch ist freiwillig. Also müssen wir für jeden attraktiv sein.“

Viele Schüler seien „belastete Berufstätige, die das hier auch noch reißen“, sagt Beime. „Blended Learning“, eine Mischung aus reduziertem Präsenzunterricht und verstärktem E-Learning, soll es ihnen künftig weiter erleichtern, auch angesichts flexibilisierter Arbeitszeiten.

Die Schülerschaft ist „neugierig, motiviert, zielstrebig und bunt gemischt“, sagt Beime. Die meisten sind 20 bis 25 Jahre alt, jeder Vierte wurde im Ausland geboren – was den Erfolg auch für die Integration unterstreicht, sagt der Leiter.

Lehrer und Koordinator Wolfgang Hohnstock, der nach 35 Jahren in den Ruhestand geht, sagt: „Das Zentralabi hat gezeigt, dass wir uns hier überhaupt nicht verstecken müssen. Außerdem ist es schön zu sehen, welchen Weg die Schüler hier nehmen, ihr Nachdenken über Perspektiven und die Ideen und Anknüpfungspunkte, die sie mitbringen. Hier ist jeder Tag interessant, auch für uns.“

Der Träger des Abendgymnasiums mit seinen zehn Lehrkräften ist die Stadt, der Träger des Oldenburg-Kollegs (280 Schüler, Unterricht tagsüber, 24 Lehrkräfte) das Land. Vorkurse zur Auffrischung und Vorbereitung auf Kolleg oder Abendgymnasium (nur teilweise verpflichtend) beginnen am 4. Februar; Infos unter Tel. 408960, info@oldenburg-kolleg oder sekretariat@abendgymnasium.de.

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg