Stratford/Rastede - In den letzten 366 Tagen war ich in sechs Ländern, habe 77 Stunden im Flugzeug verbracht, bin drei Viertel des Erdumfangs mit dem Auto gefahren, bin knapp 2000 Kilometer gewandert, habe 1520 Stunden gearbeitet, 47 Postkarten verschickt und fast sechs Tage geskypt. Dies ist mein letzter Artikel über mein Jahr in Neuseeland.

Und dabei bin ich gar nicht mehr in Neuseeland. Inzwischen habe ich mich von meinen neuseeländischen Freunden und Kollegen verabschiedet und bin zu meinem letzten Abenteuer aufgebrochen: Bangkok. Mit elf Mitfreiwilligen erforschte ich die Tempel, Märkte und Ruinen der Hauptstadt Thailands.

Aber ich konnte es gar nicht mehr erwarten, nach Hause zu fliegen und war deshalb froh, dass die drei Tage in Thailand vorbeizogen wie im Flug. Und dann war auch schon der Moment gekommen, als ich meine Eltern am Hamburger Flughafen wieder sehen sollte.

Es fühlt sich ziemlich gut an, wieder zu Hause zu sein. Ich bin froh, dass ich wieder das Wasser aus dem Wasserhahn trinken kann, dass es Brötchen zum Frühstück gibt und dass ich nicht jeden Abend Kindern beim Hausaufgaben machen zugucken muss.

Und doch vermisse ich mein Leben in Neuseeland. Mit einem eigenen Auto, welches am Ende allerdings verschrottet werden musste, war ich immer frei und selbstständig. Ich habe so viele Abenteuer erlebt wie noch nie zuvor in meinem Leben. So bin ich zum Beispiel aus vier Kilometern Höhe aus dem Flugzeug gesprungen, habe mich von einer Brücke fallen lassen, bin einen sieben Meter hohen Wasserfall im Schlauchboot heruntergefahren, habe den 2500 Meter hohen Mount Taranaki bestiegen, an der Gold Coast in Australien von einem Surfweltmeister Surfen gelernt, war im Great Barrier Reef Tauchen, auf Fiji Schnorcheln und bin mit einem Helikopter geflogen.

Aufgrund dieser Erlebnisse haben meine Freunde mich bei meiner Überraschungsfeier nicht nur äußerlich verändert vorgefunden – ich bin jetzt blond –, sondern auch meine innerlichen Veränderungen bemerkt. Durch die Arbeit in der Schule und die Lebensweise der Neuseeländer bin ich geduldiger und entspannter geworden. Ich habe mich zudem Dinge getraut, die ich vor einem Jahr nie gemacht hätte. Am Ende habe ich Freundschaften geschlossen und Momente erlebt, die ich nie vergessen werde.

Ich kann jedem empfehlen, nach dem Abitur ins Ausland zu gehen. Das Jahr in Neuseeland war das Beste, was ich je erlebt habe. Meine Erinnerungen werden mich auch in Zukunft begleiten. Auch wenn ich jetzt erst einmal in Deutschland bleiben werde und hoffentlich bald Medizin studiere, bin ich mir sicher, dass dies nicht meine letzte Reise gewesen ist.