NADORST - Am Flötenteich wurde am Donnerstagmorgen feierlich ein Gedenkstein zur Erinnerung an das Leid der Zwangsarbeiter feierlich enthüllt. Das Mahnmal ist auf Initiative von jungen Menschen entstanden: von Schülerinnen und Schülern der IGS Flötenteich.

Der Wahlpflichtkurs Gesellschaftskunde des Jahrgangs 7 hatte sich im vergangenen Schuljahr mit dem Thema Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg in Oldenburg befasst. Besonders ging es dabei um die Situation der Zwangsarbeiter, die am Bau der Umgehungsstraße beteiligt waren. Die Idee, ihnen einen Gedenkstein zu widmen, hatte laut Auskunft von Schulleiter Hartmut Steinhauer der Schüler Philipp Berner. Unterstützt wurden die Jugendlichen vom Verein Internationales Fluchtmuseum. Zur Finanzierung trugen die Stadt Oldenburg und die Schule mit je 500 Euro bei. Außerdem organisierte der Wahlpflichtkurs eine Spendensammlung.

An der Enthüllung des Mahnmals, bei der die Bläserklasse 8 b spielte, nahm die Erste Bürgermeisterin Rita Schilling teil. Eingeladen war auch der Wahlpflichtkurs der Helene-Lange-Schule. Diese Gruppe plant ein eigenes Projekt: Es sollen Stolpersteine aufgestellt werden, die an die Kinder erinnern, die während der Nazi-Zeit im Gertrudenheim ermordet wurden.

In einem Schaukasten am Gedenkstein informieren die IGS-Schüler über den geschichtlichen Hintergrund: Nach dem deutschen Überfall auf Polen im Jahr 1939 wurden nicht nur Kriegsgefangene, sondern auch Zivilpersonen aus den besetzten Ländern zur Arbeit in Deutschland gezwungen. Die Zwangsarbeiter wurden in Lagern untergebracht. In Oldenburg gab es neben dem großen Durchgangslager Rennplatzstraße weitere 60 kleinere Lager.

Aus kriegswichtigen Gründen sollte Oldenburg eine Umgehungsstraße erhalten. Um billige Arbeitskräfte zu bekommen, forderte das Stadtbauamt vom Rüstungsministerium die Zuteilung einer großen Gruppe von Zwangsarbeitern. Vom Baubeginn am 5. März 1940 bis 1945 wurden mehr als 12 000 Menschen zur Arbeit gezwungen.

Die Ausgrabungen erfolgten unter unmenschlichen Bedingungen mit Spaten, Schaufel und Schubkarren. Augenzeugen berichten davon, wie die Arbeiter geschlagen wurden. Wie viele durch die Entbehrungen und Schikane starben, ist nicht überliefert. Der Sand, den man für den Bau benötigte, wurde an der Flötenstraße ausgegraben. So entstand der Flötenteich, wo nun der Gedenkstein liegt.

Susanne Gloger
Susanne Gloger Redaktion Oldenburg