NAGYBAJOM - NAGYBAJOM - Deutsch ist an Ungarns Schulen die beliebteste Fremdsprache, noch vor Englisch oder Französisch. Das und noch mehr erfuhren die Leiterin der Realschule Schortens, Marion Gerdes-Ufken, und ihr Kollege Günter Loewié beim Besuch der Gesamtschule Nagybajom. Die Schortenser informierten sich beim Partnerbesuch der Gemeinde Schortens über die Schulsituation vor Ort (die NWZ berichtete).

Kontakte zwischen den Schulen bestehen bereits über einen Schüleraustausch. So besuchte im Mai vergangenen Jahres eine Gruppe Realschüler aus Schortens die Schule in Nagybajom. In diesem Jahr kamen ungarische Schüler zum Austausch nach Schortens.

„Für unsere Schüler sind gute Fremdsprachenkenntnisse sehr wichtig, denn sie eröffnen ihnen bessere Zukunftschancen“, betonte Sándor Dömötör, Leiter der Gesamtschule in Nagybajom. Beide Seiten waren sich bei ihren Gesprächen in Nagybajom schnell einig, dass sie den Schüleraustausch kontinuierlich fortführen wollen.

So werden im kommenden Mai Schüler der achten Klassen der Realschule Schortens für 14 Tage am Unterricht an der ungarischen Gesamtschule teilnehmen. „Sie werden am Technik- oder Mathematikunterricht teilnehmen, da kommt es nicht so sehr darauf an, dass man die ungarische Sprache beherrscht“, sagt Günter Loewié.

Außerdem bekommen die deutschen Schüler für ihren Aufenthalt Hausaufgaben mit, die sie bei ihrem Aufenthalt lösen müssen. Übernachten werden die Schortenser bei ungarischen Gastfamilien.

Die Gesamtschule in Nagybajom bietet Unterricht von der 1. bis zur 10. Klasse und wird von 543 Schülern besucht. Eine Besonderheit an de Schule in Nagybajom ist der Umweltunterricht. Für ihr Lernkonzept wurde die Gesamtschule mit dem Titel „Öko-Schule in Ungarn“ ausgezeichnet.

Im Rahmen ihres Unterrichts beschäftigen sich die Schüler hier mit Wasseranalysen, Ornithologie und Mülltrennung und -Vermeidung. Stolz sind die Ungarn auch auf ihren Öko-Schulgarten. „Die Anregung dazu stammt vom RUZ aus Schortens“, berichtet Erika Csermann.

Im Gegensatz zu anderen Schulen in Ungarn kann sich die Schule in Nagybajom nicht über sinkende Schülerzahlen beklagen. Der Grund: Viele kinderreiche Roma- und Sinti-Familien leben in Nagybajom, im Schnitt sind vierzig Prozent eines Klassenverbandes Sinti und Roma. Viele dieser Menschen leben ausschließlich von staatlichen Zuwendungen.

Die Zusammensetzung der Klassen birgt nach Mitteilung von Deutschlehrerin Erika Csermann sozialen Sprengstoff. Deshalb bemühen sich die Ungarn, die Kinder der ethnischen Minderheit so gut es geht in das Schulleben zu integrieren.