NEERSTEDT - Kinder begegnen immer wieder Formen der Gewalt – in den Medien, im Umgang mit Gleichaltrigen oder älteren Kinder. Somit stand in der Grundschule Neerstedt nun ein ganz besonderer Unterricht im Rahmen der Prävention auf dem Lehrplan: Selbstbehauptung und Selbstverteidigung. In jeweils zehn Stunden an zwei Tagen wurden die beiden vierten Klassen von ausgebildeten Fachkräften unterrichtet.
Während die Mädchen eine Einführung in Wen-do erhielten, konnten sich die Jungen im Ki Aikido erproben. „Ein getrennter Unterricht ist von Vorteil, da Jungen und Mädchen unterschiedlich angesprochen werden müssen“, erklärt auch Gudrun Löhlein, Sozialpädagogin und Wen-do-Lehrerin. „Wir haben gelernt, wie man sich richtig ausdrückt und wie man sich durchsetzen kann“, berichtet Leonie. Bei den Viertklässlerinnen geht es vor allem um Körperwahrnehmung und Selbstbehauptung. „Gerade die Mädchen sind sehr überrascht, wie viel Kraft in ihnen steckt“, so Gudrun Löhlein.
Zur gleichen Zeit im Klassenraum: Die Jungen beginnen mit Theorie. „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“, wiederholt Vincent den Spruch, den die Schüler bereits verinnerlicht haben. „Was ist eigentlich Gewalt?“, ist die Frage, die Aikido-Lehrer Andreas Scholl-Staus den Schülern stellt. „Gewalt kann wehtun“, kommt prompt die Antwort von Andre. Daher sollen die Jungen in erster Linie lernen, wie sie sich verteidigen können. „In der Sporthalle folgt die Praxis“, so Andreas Scholl-Staus. „Was den Jungen hier oft schwerer fällt als den Mädchen: Zu begreifen, dass man sich auch ohne boxen wehren kann. Auch Hilfe holen ist eine Selbstverteidigung.“
Ermöglicht wurde das Projekt erst durch die Kostenübernahme unter anderem durch das Amt der Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Oldenburg und das Jugendamt des Landkreises sowie durch die Gemeinde Dötlingen, den Förderverein und Eigenbeträge. „Wir arbeiten an einem Konzept, um in Zukunft diese Präventionsmaßnahme auch über einen längeren Zeitraum anbieten zu können“, erklärte Gudrun Löhlein abschließend.
