Neerstedt - Lachende Kinderstimmen und eine für die Grundschule ungewohnte Sprache klingen am Donnerstagvormittag von der Aula aus durch die Gänge der Grundschule Neerstedt.
Die Schüler der Klasse 3a sitzen in großer Runde zusammen und geben einen Würfel durch die Reihen. Im Hintergrund läuft das Lied Papaoutai, ein junger Franzose steht in der Mitte und stoppt die Musik in unregelmäßigen Abständen. Wer den Würfel in diesem Moment in der Hand hat, stellt sich kurz vor, sagt, wo er wohnt, was er mag oder wie alt er ist – alles auf Französisch.
Eine bisher unbekannte Sprache kennenlernen – das ist an der Neerstedter Grundschule Teil des Erasmus-Projektes. Die Dritt- und Viertklässler hatten dabei Besuch von Lektor Loic Pointeaux vom France-Mobil. Eine ganze Schulstunde lang begeisterte der junge Kulturvermittler vom Institut Francais aus Bremen die Schüler mit der französischen Sprache.
Ein Fokus lag auf der Bezeichnung der verschiedenen Farben, wie Rot (rouge), Grün (vert) oder Gelb (jaune). Nach einem ersten Sprechen wurde die Aussprache spielerisch vertieft. Beim Gruppenspiel „Obstsalat“ übten die jungen Schüler nicht nur weitere Farben, sondern hatten auch jede Menge Spaß.
Loic Pointeaux ist in Lothringen aufgewachsen und wohnt seit September 2017 in Bremen. Er ist einer von zwölf Franzosen, die mit einem France-Mobil in Deutschland unterwegs sind. „Ich bin für Niedersachsen und Bremen zuständig“, erzählt der 28-Jährige, der sich in Deutschland bewarb, um verschiedene Erfahrungen zu sammeln.
Nun ist er täglich an einer anderen Schule zu Gast, hat Schüler von der dritten bis zur achten Klasse vor sich. „Häufig sind es Fünftklässler, denen wir bei der Entscheidung ihrer zweiten Fremdsprache helfen wollen“, sagt Pointeaux. Seine Themen, über die er spricht, sind dabei immer dem Alter entsprechend angepasst. „Von der dritten bis sechsten Klasse sind alle immer sehr neugierig, weil sie mit einem echten Franzosen sprechen“, erzählt er. Für die Grundschüler sei dabei das Kennenlernen von Zahlen und Farben ein guter Einstieg in die für sie völlig neue Sprache. Pointeaux: „Meistens sind die Schüler zu Beginn noch sehr schüchtern, später dann aber umso neugieriger.“
So auch die Grundschüler in Neerstedt, die zum Ende ihrer ersten „Französischstunde“ noch einige Fragen stellten und ihrem „Lehrer“ dann eine gute Note für den Unterricht attestierten. „Das war mal etwas anderes als immer nur der Deutsch- und Englischunterricht“, sagte eine Schülerin. Gemeinsam mit ihren Klassenkameraden war sie sich einig: „Das hat richtig viel Spaß gemacht.“
