Oldenburg - Wie bitte? Deutsche Schüler bedanken sich nicht bei ihren Eltern, wenn sie vom Abendessen aufstehen? Und auch nicht bei der Lehrerin, wenn der Unterricht vorbei ist? „Da waren unsere Schüler schon ein bisschen entrüstet“, sagt Julia King, Lehrerin an der südafrikanischen Wartburg-Kirchdorf School, unweit von Durban, in der Provinz KwaZulu-Natal.
Zwei Wochen haben die 15 Schüler am Herbartgymnasium (HGO) verbracht, an ihrer neuen Partnerschule – mit vielen Gelegenheiten für beide Seiten, kulturelle Unterschiede auszumachen und sich näher zu kommen. „Die Selbstverständlichkeit des Fahrradfahrens, und dass es hier so lange hell ist, war allen völlig neu“, sagt Julia King.
HGO-Lehrer Matthias Stenzel hatte nach einem Südafrika-Besuch auf Anregung von Bigband-Leiter Klemens Schnaß den Kontakt hergestellt. Musiklehrerin Anke Leinweber sagte am Mittwoch: „Auch die Südafrikaner waren daran sehr interessiert, zumal alle Deutsch lernen.“
Zum Programm gehörten Hamburg und Groningen, Museen und die Gedenkstätte in Esterwegen. Gewohnt und geschlafen wurde in den Familien der Schüler, die bei „120 Dezibel“ spielen. Das ist die Bigband des HGO. Zusammen mit den Familien ging’s ins Watt, in den Kletterwald oder auch ins Freibad.
Eine besondere Erfahrung war der Auftritt von „120 Dezibel“ mit dem Chor aus Wartburg-Kirchdorf. Lehrerin Julia Tausendpfund sagte: „Das war ein voller Erfolg. Die Schüler rissen nicht nur mit „Skyfall“ von Adele ihre Zuhörer mit, sondern auch durch die Hits ,Ein Hoch auf uns’ und ’Happy’, bei dem keiner ruhig sitzen bleiben konnte“. Ein Zulu-Tanz mit Gesang war „der absolute Höhepunkt“.
Gemeinsam entwickelten und sangen deutsche und südafrikanische Schüler ein Lied, das nun beim Wettbewerb des Bundespräsidenten „Dein Lied für Eine Welt“ eingereicht wird. Fürs nächste Jahr ist der erste Gegenbesuch geplant – wenn das Geld reicht. Um das zu unterstützen, sucht „120 Dezibel“ nach weiteren Auftrittmöglichkeiten (Info Tel. 40836-0).
Musikobfrau Anke Leinweber sagte am Mittwoch: „Für alle war das hier eine wirklich tolle Sache, musikalisch und interkulturell, von der beide Seiten stark profitiert haben. Das muss weitergehen.“
