Wiefelstede - „Hier war was los. Die standen schon vor der Tür, als ich gekommen bin. Und nachts um zwei haben wir draußen den Maibaum gesetzt.“ Carsten Eikers kippt Tee aus der Thermoskanne, nippt am Porzellan, blickt sich um. Drei Jungs am Kicker, zwei junge Damen an seiner Seite – aber die arbeiten beide hier. „Die Bude wird uns schon lange nicht mehr eingerannt“, sagt der Leiter des Wiefelsteder Jugendhauses.
Zu gut kann sich der Sozialpädagoge an die Jugendarbeit in den Endsiebzigern erinnern, die turbulenten Zeiten, als er 1984 in dem Wiefelsteder Treffpunkt angefangen hat. „Da gab es hier einen Hausrat und jede Menge engagierte junge Leute“, sagt der 55-Jährige. Es ist ruhiger geworden in dem kleinen Häuschen neben der Oberschule: Wer kommt, will kickern, Billard spielen, vielleicht an einen der Computer – aber seit jedes Smartphone mit der virtuellen Welt vernetzt, wird auch das weniger. Die Idee, mit einem Gesellschaftsspiele-Nachmittag Nachwuchs zu locken, ist gescheitert: Der gastgebende Spieleexperte – ein Sammler aus der Gemeinde – blieb auf seinem Wissen sitzen. Nicht ein Teilnehmer war da.
Zeit, neue Ufer anzusteuern, hat der Gemeindefachdienstleiter für Jugend und Familie beschlossen. „Wenn der Bedarf für offene Jugendarbeit zurückgeht, öffnen wir uns für andere Menschen“, sagt Carsten Eikers. Im ersten Schritt soll das Jugendcafé am Donnerstag zwischen 16.30 und 20 Uhr in ein offenes Generationen-Café umgetauft werden. Kommen können alle: Senioren, Hausfrauen, Mittdreißiger und vor allem Menschen mit Migrationshintergrund.
Auf die Idee ist der Sozialpädagoge mit seinen Kollegen gekommen, als er von den begeisterten Gesichtern der Deutschkursusteilnehmer gehört hat: Jeden Freitagvormittag werden im Jugendhaus ausländische Neu-Wiefelsteder mit der fremden Sprache vertraut gemacht. Den zugezogenen Asylbewerbern hat das Pauken zwischen Spieleecke und Tischfußball gefallen. „Und wir sind ein Haus für alle, die es annehmen und brauchen“, sagt Carsten Eikers. Die Öffnungszeiten wollen er und sein Team „zusammenkürzen“. Aber da soll dann etwas geboten werden, was der Nachwuchs wirklich will. Für den schleppend anlaufenden Jugendtreff in Spohle ist eine Umfrage bei den Teenagern angedacht.
Pläne für neue Angebote in Wiefelstede laufen auf Hochtouren. Realisiert wird zuerst eine Textilwerkstatt mit „Urban Knitting“, wo Laternenmasten und Baumstämmen bunte Stricksocken verpasst werden. Geliebäugelt wird mit einem Repair-Café, in dem geschraubt und getüftelt werden kann. Ob dann im Jugendhaus wieder so viel los ist wie einst? Carsten Eikers hebt die Schultern: „Die Dinge ändern sich eben. Ich find’s auch spannend.“
Beständig im Übrigen halten sich die Sorgen und Themen des Nachwuchses: „Es geht um Schule und Job, Ärger mit Lehrern, Scheidung der Eltern, Liebeskummer“, sagt der Sozialpädagoge. Und ja: Zum Reden kommen noch immer Jugendliche her. Auch die Kindergruppen in Spohle und Gristede sind gut besucht. Nachtrauern kann Carsten Eikers den Zeiten des nächtlichen Maibaumsetzens ohnehin nicht richtig: „Mit 55 muss das nicht mehr sein. Das können die jungen Kollegen machen.“
