Wesermarsch - Bei Rock-Röhre Ina Deter hieß es 1982 „Neue Männer braucht das Land“. Wäre Björn Thümler Sänger und nicht CDU-Landtagsabgeordneter, würde er bei „Neue Lehrer braucht der Kreis“ wohl lautstark einstimmen. Nach seiner Auffassung hat die rot-grüne Landesregierung in Hannover kein Rezept gegen die ungenügende Versorgung der niedersächsischen Schulen mit Lehrkräften. Und den Landkreis Wesermarsch betreffe das in besonderem Maße: Hier liegt der statistische Durchschnittswert für alle allgemeinbildenden Schulen nur bei 96,7 Prozent (Vorjahr 101,1). Landesweit sieht es mit 98,9 Prozent nur unwesentlich besser aus. Zahlen, die Thümler als „historisch niedrig“ bezeichnet.
Unter Landesschnitt
Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) hatte nach langer Verzögerung am Dienstag Zahlen zur Unterrichtsversorgung mitgeteilt. Thümler hatte dies durch eine entsprechende Anfrage erwirkt. Der CDU-Politiker betont, dass an vielen Schulen auch der Pflichtunterricht vom Ausfall betroffen sei. Im laufenden Schuljahr könnten voraussichtlich rund 600 000 Schulstunden in Niedersachsen nicht erteilt werden, weil Lehrer fehlen.
Besonders schlecht ist die Versorgung in der Wesermarsch an den Gesamtschulen (IGS und KGS) mit 87,3 Prozent, an den Oberschulen (93,5 Prozent), den Förderschulen (94,6 Prozent) und den Gymnasien (96,5 Prozent). Aber auch die Grundschulen erreichen keine hundertprozentige Unterrichtsversorgung (99,4 Prozent). An den Hauptschulen (100,2) und den Realschulen (100,9) liegt die Versorgung knapp über 100 Prozent. Wie alle Eltern wissen, bedeutet auch das nicht, dass kein Unterricht ausfällt: Krankheitsbedingte Ausfälle fließen in diesen Zahlen nicht ein.
Neue Tiefstände
Nicht geliefert habe das Ministerium bisher die Daten für die einzelnen Schulen der Wesermarsch, beklagt Thümler. Bislang verweigere die Kultusministerin die Herausgabe der Daten. Einen möglichen Grund hat er auch ausgemacht: Vielleicht seien die Zahlen für einzelne Schulen so schlecht, dass die Ministerin die Herausgabe möglichst lange hinauszögern wolle.
Neben den Werten für die allgemeinbildenden Schulen wird die CDU beim Kultusministerium auch die Werte für die einzelnen berufsbildenden Schulen abfragen. „An den BBS sinken die Werte der Unterrichtsversorgung auf immer neue Tiefstände. Im laufenden Schuljahr sind wir bei nur noch 88,1 Prozent angelangt, nach bereits äußerst geringen 88,6 Prozent im Vorjahr“, so Thümler. „Die Landesregierung ist hier auch gegenüber der ausbildenden Wirtschaft in der Pflicht – die Qualität der dualen Ausbildung muss gesichert bleiben.“
