Zetel - Aus dem Buch „Kleine Geschichten der Schulen Zetels und ihrer Umgebung“ von Siegfried Bode aus dem Jahr 1983 stammt diese Anekdote zu Flüchtlingskindern in der Friesischen Wehde:
„Anfang 1945 wurden die ersten Flüchtlingskinder in den Schulen aufgenommen. Sie berichteten von den Schrecken des Krieges im Osten. Bald kamen die Flüchtlinge nicht mehr einzeln, ganze Trecks wurden nun in die Friesische Wehde geleitet. Häufig mussten Schüler bei Sammeltransporten den Flüchtlingen helfen, ihre Quartiere zu finden.
Am 28. Februar 1945 gab die Schule (in Zetel) ihre Halbjahreszeugnisse aus. Der Unterricht sollte nach den Osterferien am 4. April wieder beginnen. Wegen der ständigen Tieffliegergefahr und der immer näher rückenden Front verschob man den Unterrichtsbeginn aber. (...)
Trauma nach dem Krieg
Weitere Schwierigkeiten waren die großen Defizite im Wissen der Kinder. Erhebliche Lücken klafften: Flüchtlingskinder hatten oft jahrelang keine Schule besucht, die häufigen Fliegeralarme bei Tag und Nacht erregten nervöse Spannungen, oft konnte kein Unterricht erteilt werden. 1945 hatte ein Lehrer im Durchschnitt etwa 122 Kinder zu unterrichten. Bis 1950 verbesserte sich das Verhältnis auf etwa 1:50. (...) Schwierigkeiten sind das Fehlen jeglicher Lehrmittel, Griffel, Tafeln, Bleistifte, Federn, Kreide, Hefte gab es nur in beschränktem Umfang, die meisten Lehrbücher waren verboten, neue gab es noch nicht, mangelnde Ernährung und Bekleidung. (...)
Die Zuwanderung von Flüchtlingen aus katholischen Gegenden machte die Einrichtung von Konfessionsschulen notwendig. In unserem Bereich entstanden solche zunächst im Fuhrenkamp und später in Bockhorn. (...)
Die vielen Lehrer, die als Flüchtlinge und Heimatvertriebene in die Friesische Wehde gekommen waren, mussten in der neuen Umgebung erst Kontakt finden. So mancher von ihnen hatte mit der plattdeutschen Sprache zu kämpfen.
Ein Lehrer berichtete: „Als ich zum ersten Male ABC-Schützen einschulte und so anschaulich wie möglich die Geschichte von „Heiner im Storchennest“ erzählte, schauten mich die Kleinen noch mit großen verwunderten Augen an. In der nachfolgenden Zeit ging auch alles gut, nur ein Junge weinte häufig im Unterricht, während er sich in den Pausen mit den anderen Schülern bestens vergnügte.“
Kind versteht kein Wort
Und weiter: „Ich legte mir die ,Psychologie des Landkindes’ von Bode/Fuchs zu, studierte, suchte und fand keine Lösung. In meiner Not suchte ich Rat bei meinem Schulleiter. Die Lösung wurde sehr bald gefunden: Der Junge hatte mich überhaupt nicht verstanden, da in seinem Elternhaus nur platt gesprochen wurde.“
