Neuenburg - Mit Hunderten Herzen, mit Blumen und viel Musik haben die Kinder der Astrid-Lindgren-Grundschule Neuenburg, die Lehrer, Mitarbeiter und viele Wegbegleiter jetzt die Schulleiterin Hannelore Evers in den Ruhestand verabschiedet. Hannelore Evers ist in Neuenburg geboren, ist dort aufgewachsen, war mit ganzem Herzen dort Lehrerin und 19 Jahre Schulleiterin. Mit ebenso viel Herzblut wurde sie jetzt verabschiedet.
Ihr zu Ehren hat die Journalistin Carola Schede, die auch Mitglied des Fördervereins der Grundschule ist, einen rührenden Film gedreht, der bei der Abschiedsfeier gezeigt wurde. Darin kamen auch Kinder zu Wort. „Frau Evers hat immer gesagt: Ihr seid eine Gemeinschaft, und wenn ihr euch nicht an die Regeln haltet, müsst ihr euch selbst Regeln aufstellen, damit ihr als Gemeinschaft miteinander leben könnt“, sagte ein Mädchen. Und genau das, selbstständiges Denken und Kreativität, hat Hannelore Evers so vielen Kindern mitgegeben. Die 64-Jährige sagt: „Besonders gefreut hat mich immer die Bereitschaft der mir anvertrauten Kinder, nicht nur von mir etwas lernen zu wollen, sondern auch ihre ganz unverstellte Absicht, mich gern zu haben.“ Diese „gelungene Beziehungsarbeit“ ermögliche erfolgreiches Lernen „und diese Arbeit braucht Zeit und Kraft und sollte im Mittelpunkt unserer Arbeit als Lehrkräfte stehen“.
„Hier erlaube ich mir zum Ende meiner Berufstätigkeit ein paar kritische Anmerkungen“, sagte Hannelore Evers, und fand deutliche Worte: „Mit Sorge habe ich im Laufe meiner Berufsjahre die zunehmenden Einflüsse aus der Betriebswirtschaft auf die Schule erlebt. Aber eine Schule ist kein Wirtschaftsunternehmen.“ Den Lehrern bleibe vor lauter bürokratischer Vorgaben viel zu wenig Zeit, sich den Kindern zu widmen.
„Es gilt, die Persönlichkeit des Kindes wertzuschätzen in seiner Einzigartigkeit“, sagte Hannelore Evers. „In die Schulbildung gehören noch viel mehr Kunst und Kultur, Theater, Musik und Tanz.“ Es könne nicht immer nur um die messbaren Leistungen der Schüler und der Schule an sich gehen. Hannelore Evers riet ihren Kollegen: „Vertraut mehr und messt, kontrolliert und evaluiert weniger.“
Das alles gelte vor allem für die Inklusion, die ihr immer eine Herzensangelegenheit gewesen sei. Dass jeder Schüler eine Regelschule besuchen kann, sei „ein längst überfälliges gutes Gesetz aber eine katastrophale Umsetzung“. Es herrsche „Mangelverwaltung von Ressourcen, die bei weitem nicht ausreichen, um so eine gewaltige Aufgabe zu meistern“. Hannelore Evers sagte: „Bei den betroffenen Kindern kommt nicht genug fachliche Unterstützung an, es fehlt zusätzliches qualifiziertes Personal. Die Klassenlehrkraft ist das letzte Glied in der Kette – sie soll nun die gesamte Verantwortung tragen – das geht so nicht!"
