NEUENBURG - Die Astrid-Lindgren-Grundschule in Neuenburg ist keine Problemschule. Dennoch sind in dieser Woche 18 Jungen und Mädchen als Konfliktlotsen ausgebildet worden. „Wir wollen die soziale Kompetenz der Schüler stärken“, erklärt Rektorin Hannelore Evers. „Selbstverständlich gibt es auch bei uns Konflikte.“
Kinder lösen Probleme
Sie ist überzeugt, dass die Kinder mit dem, was sie gelernt haben, künftig viele Probleme selber lösen können, ohne einen Lehrer zu rufen. Als mögliche Streitpunkte nannten die ausgebildeten Grundschüler Beleidigungen, wer mit wem spielen darf, Ärger um Gegenstände auf dem Pausenhof, Schläge oder auch Sachbeschädigungen.
Wie die Dritt- und Viertklässler einen Streit schlichten können, das hat in dieser Woche Ingrid Salamero y Mur mit ihnen trainiert. Seit 1994 bildet sie Streitschlichter aus, bislang aber erst ab Klasse fünf aufwärts. Bis vor einem Jahr unterrichtete sie an der Haupt- und Realschule Zetel. Konfliktlosen schult die pensionierte Lehrerin aber weiterhin. „Es geht nicht nur um eine gute Ausbildung, sondern auch um die weitere Begleitung während des Schuljahres mit regelmäßigen Treffen zum Erfahrungsaustausch. Per Handy ist sie auch jederzeit für die Konfliktlotsen erreichbar.
Künftig werden während der großen Pausen vier Streitschlichter draußen und zwei drinnen deutlich zu erkennen sein; denn sie tragen orangefarbene Westen. Als Symbol sind zwei Hände zu sehen, die einander reichen. Wenn Schüler sich streiten, können sie mit zwei Konfliktlotsen in einen Raum gehen und den Fall miteinander besprechen. Zunächst erklären die Streitschlichter ihre Aufgabe und die Regeln. Dann erzählen die Streithähne, was passiert ist. Die Konfliktlotsen stellen Fragen, um die Situation weiter aufzuhellen. Es werden Lösungsideen gesammelt und schließlich eine Lösung gesucht. Die Einigung wird in einem Vertrag schriftlich festgehalten.
Experten von außen
Hannelore Evers ist überzeugt, dass ein Streit zwischen Schülern wirkungsvoller gelöst werden kann, wenn die Kinder das unter sich ausmachen, als wenn ein Lehrer mit seiner Autorität die Situation vielleicht nur scheinbar befriedet. „Das Gute an der Streitschlichtung ist, dass es keinen Verlierer, sondern nur zwei Sieger gibt“, meint Jonas zur Ausbildung als Konfliktlotse. Zusammen mit den anderen wird er sich in allen Klassen vorstellen. 200 Jungen und Mädchen besuchen die Astrid-Lindgren-Schule.
