Wardenburg - „Afrika ist wie ein Virus. Den werd’ ich nicht wieder los.“ Vor fünf Wochen ist Jutta Rudolf zurückgekommen. Nach Hause? Sie hebt die sonnengebräunten Schultern. Aufgewachsen ist die 58-Jährige in Wardenburg. Gelebt hat sie fast die Hälfte davon im Ausland – die letzten vierzehn Jahre in Swasiland.

Infiziert hat sie sich 1987, als sie ihren Mann, den Entwicklungshelfer, ins Somalische Mogadischu begleitet hat. Wegen der damals aufkommenden Unruhen wurde er nach Swasiland versetzt, die Familie folge ihm. Und blieb: Vier Jahre. Mit Zwischenstopp in Großenkneten packte das Paar samt drei Kindern Mitte der 90er wieder die Koffer: Indonesien, Ägypten, Palästina waren ihr Zuhause – mal mehr, mal weniger. „Indonesien liegt mir nicht so“, sagt Jutta Rudolf – „die Mentalität, die Art zu Leben – das ist nicht mit Afrika zu vergleichen.“

Das Heimweh nach dem schwarzen Kontinent war es allerdings nicht, was sie 2000 zurück nach Swasiland trieb: „In Palästina bin ich in eine Schießerei geraten – das war’s ich wollte nicht mehr“, sagt sie und erzählt von dem Mann mit dem Maschinengewehr, der neben ihr in die Luft feuerte. „Ich bin nur noch gerannt.“ Zurück in Deutschland kam die Nachricht der Freundin aus Swasiland – sie sei krank und brauche Hilfe im Reisebüro. „Eigentlich sollten es ein paar Wochen sein“, sagt die gelernte Reiseverkehrskauffrau. Daraus wurden vierzehn Jahre. „Ich habe meinen Mann angerufen und gesagt: hier gehöre ich hin. Ich komme nicht mehr zurück.“

Auf der anfänglichen Unterstützung im Reisebüro hat sich eine zweite Karriere für die ewig mitreisende Ehefrau entwickelt: Zwei Jahre nach der Landung im südafrikanischen Königreich hat die Wardenburgerin eine Touristikzeitung übernommen. „Whats happening Swasiland“ entwickelte sich unter ihrer Leitung von einer 3000er-Auflage in ausgelieferte 15 000 Exemplare pro Monat. „Ich war die Chefredakteurin – aber es gab auch keine Mitarbeiter. Nur einen Layouter“, sagt Jutta Rudolf.

Leben konnte sie von dem Gehalt gut, an die Traditionen und Werte des Monarchenstaates hat sich schnell gewöhnt, die entspannte Art der Menschen lieben gelernt und das satte Grün der Berge genossen. Dennoch gab es unüberwindbare Hindernisse: „Hinter meinem Haus war ein Berg, den ich jeden Tag bewundert habe – drauf gestiegen bin ich nie. Aus Angst“, sagt sie. Einmal ist sie in ihrem Auto überfallen und ausgeraubt worden. „In den Touristikgebieten ist das Land sicher – aber bestimmte Ecken sollte man meiden“, sagt sie. Jetzt, heute, hier – in Wardenburg genieße sie das Fahrradfahren ohne Furcht im Nacken zu spüren, sich umdrehen zu müssen, wer da hinter ihr läuft.

Was noch? Die Luft, den Wind, die Weite und die wilden Rosen in ihrem Garten. Manchmal war sie einsam. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass es Zeit ist, zurück zu kommen“, sagt sie. Hier sind die Kinder und Enkel, der Vater im Altenheim. In Swasiland ein Kater, eine Henne, Freunde und viele Erinnerungen.

Nein: von dem Virus ist sie nicht kuriert – die Sehnsucht, das Fernweh kann immer wieder ausbrechen.