Neuscharrel/Friesoythe - Sieben Schüler werden derzeit in der Grundschule Neuscharrel unterrichtet. Nicht je Klasse, sondern insgesamt. Die sieben Schüler verteilen sich auf alle Jahrgänge, werden aber gemeinsam in einer Klasse unterrichtet – Viertelzügigkeit nennt man das. Und eigentlich ist diese Schülerzahl ein untrügliches Zeichen dafür, dass solch eine kleine Grundschule kaum Hoffnung auf Fortbestand hat. Anders in Neuscharrel. Hier bekommt die Dorfschule eine Chance.
„Die Grundschule Neuscharrel bleibt unter Berücksichtigung der Einführung des Konzeptes ,Wurzeln und Flügel’ bestehen und dem Konzept wird die nötige Zeit gegeben, sich zu etablieren.“ So heißt der Beschluss, der am Montagabend vom Friesoyther Stadtrat mit großer Mehrheit (25 Ja, 3 Nein, 2 Enthaltungen) verabschiedet wurde. Die SPD hätte sich allerdings gewünscht, dass dieser Beschluss zunächst bis 2021 befristet wird, um zu schauen, wie sich die Schule entwickelt hat. Doch die CDU/FDP-Fraktion lehnte dieses Ansinnen ab.
Die SPD-Fraktion lehnte hingegen den zweiten Absatz in dem Beschluss geschlossen ab. Darin geht es um die Möglichkeit der Eltern, die nicht im Schuleinzugsbereich der Grundschule Neuscharrel wohnen, ihre Kinder dennoch dorthin zu schicken. Die Stadt Friesoythe würden solch ein Ansinnen zumindest „grundsätzlich positiv beurteilen“, wie es in der Vorlage heißt.
Die Dorfschule bekommt vor allem deshalb eine Chance, weil sich die Schülerzahlen laut einer Erhebung der Stadt Friesoythe enorm entwickeln werden. So könnte es sein, dass bereits ab dem Schuljahr 2020/2021 eine Halbzügigkeit (zwei Jahrgänge in einer Klasse) erreicht werden könnte. Allerdings heißt es seitens der Stadtverwaltung auch, dass nicht verlässlich gesagt werden könne, wie sich die Schülerzahlen tatsächlich entwickeln werden. Man wolle der Schule aber genügend Zeit geben, um sich zu etablieren.
Vorausgegangen war eine monatelange Debatte darüber, wie mit der Grundschule Neuscharrel umgegangen werden solle. Voraussetzung für den Fortbestand war ein nachhaltiges Konzept, sonst wäre die Schule in diesem Jahr geschlossen worden. Doch die kommissarische Schulleiterin Angelika Tiedeken machte ihre „Hausaufgaben“ und konnte mit „Wurzeln und Flügel“ überzeugen. Neues Konzept plus positive Entwicklung der Schülerzahlen, so lautet somit die Formel für eine Zukunft der Dorfschule.
Eine Formel, der SPD-Ratsherr Sönke Baumdick nicht folgen konnte. Es gebe zu viele Unwägbarkeiten, bemängelte er. Und es gehe nicht zuletzt auch um die Schüler, die in der Struktur der Viertelzügigkeit stecken und in nächster Zeit auch weiter stecken bleiben würden – ohne Garantie auf Erfolg. „Wir setzen die Schülern einem Experiment aus“, sagte Baumdick. Es tue ihm leid für die Ortschaft Neuscharrel, aber „beste pädagogische Voraussetzungen sind das nicht, und beste Bildung wird es auch nicht geben“. Hier werde das Schicksal einer Schule auf den Rücken der Kinder ausgetragen.
