NEUSTADTGöDENS - In Rollenspielen lernen Grundschüler aus Sande und Neustadtgödens, sich zur Wehr zu setzen. Zwei Schauspieler zeigen, wie das geht.
Von annette Kellin
Es gibt kein schamvolles Schweigen, keine bedrückende Stille. Im Gegenteil, die Stimmung ist aufgekratzt, fröhlich. Auch wenn das Thema sehr ernst ist. Es geht um den sexuellen Missbrauch von Kindern. Und eines ist klar: Einen wirksamen Schutz gibt es nur, wenn Kinder darüber Bescheid wissen. Wenn ihr Selbstbewusstsein so gestärkt ist, dass sie sich trauen, laut und deutlich „Nein“ zu sagen, wenn ihnen Berührungen unangenehm sind.
Das Selbstbewusstsein stärken, Mut machen, Nein zu sagen, sich zur Wehr zu setzen, sich mit allen Mitteln um Hilfe bemühen, darum geht es in einem theaterpädagogischen Projekt, das jetzt mit den Kindern der 3. und 4. Klassen der Grundschulen in Neustadtgödens und Sande arbeitet. „Mein Körper gehört mir“, heißt es und läuft in vielen Bundesländern sehr erfolgreich. Auch in Friesland ist damit schon an einigen Schulen gearbeitet worden.
In interaktiver Theaterarbeit geht es darum, die Kinder mit ganz unterschiedlichen Situationen zu konfrontieren, in denen es um verschiedene Formen von sexuellem Missbrauch geht. Grenzen zu ziehen, eindeutig zu sagen, was unangenehm ist, entsprechende Berührungen deutlich abzulehnen, das lernen die Schüler hier. Innerhalb von drei Wochen setzen sich die Schüler mit zunehmend schwierigeren Situationen auseinander. Dabei erarbeiten die beiden beteiligten Schauspieler aus der Theaterpädagogischen Werkstatt in Osnabrück gemeinsam mit den Kindern Lösungen für die teilweise sehr vertrackten Konstellationen.
Die Kinder lernen, dass es immer eine Möglichkeit gibt, Hilfe zu bekommen, allerdings muss man manchmal sehr nachdrücklich danach suchen, denn nicht immer schenken einem die nächsten Angehörigen Glauben. Und sie lernen, dass niemals sie selbst die Schuld an einem Missbrauch tragen, dass immer der Erwachsene der Täter ist.
In Neustadtgödens und Sande lud jetzt die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Friesland Elke Rohlfs-Jacob die Eltern zu einer Präsentation vorab ein. Für die Arbeit mit den insgesamt sechs Klassen sind knapp 2000 Euro nötig. Die Elternvertreter der beiden Grundschulen, Ulrike Oncken-Röben und Dörte Hacke, sowie die Schulleiter Horst-Dieter Loga und Günter Regener freuten sich, dass mit Hilfe von Wirtschaftsförderungsverein und Betrieben sowie der Sander Gleichstellungsbeauftragten Manuela Mohr und Karl-Georg Graf von Wedel das Geld zusammenkam.
