Roffhausen - Heidi Heidler weiß schon genau, was sie am 11. September, dem ersten Schultag nach den Sommerferien, am frühen Morgen machen wird. Sich noch mal umdrehen und einfach noch ein bisschen weiterschlafen. Für Heidi Heidler (63), gehen die Ferien nämlich weiter und hören nun niemals mehr auf.
Noch wenige Tage lang ist Heidi Heidler Leiterin der Grundschule Roffhausen. In einer Woche, am 30. Juli, hat sie ihren letzten Schultag, dann wird sie sich von den Schülern und dem Kollegium verabschieden, noch ein bisschen aufräumen in ihrem Büro – und das war’s.
33 Jahre lang war Heidi Heidler dann Lehrerin an der Grundschule Roffhausen, davon 24 Jahre lang als Schulleiterin. Nun geht sie in Ruhestand. Pläne hat sie reichlich: Mehr Zeit für’s Enkelkind ist eingeplant. Ihre Wohnung in Altengroden will sie umbauen, eine Donaureise unternehmen, sich ehrenamtlich für die Seniorenarbeit der Banter Kirche engagieren. Und „in Öl machen“. Farbe und Staffelei hat sie schon. „Mir wird nicht langweilig werden“, sagt Heidi Heidler. Vor allem, darauf freue sie sich sehr, müsse sie nicht mehr nach Stundenplan leben.
Zum Allrounder geworden
„Mehr als die Hälfte meines Lebens und nahezu mein gesamtes Berufsleben habe ich an dieser Schule verbracht“, sagt Heidi Heidler. „Eine ganz schön lange Zeit, wenn ich bedenke, dass ich hier damals eigentlich gar nicht hinwollte.“ Von der Schule Jungfernbusch in Heidmühle wurde sie 1981 nach Roffhausen versetzt. „Aber ich habe mich schnell eingelebt und mich hier sehr bald sehr wohlgefühlt.“ Heute sagt sie rückblickend: „Diese Schule ist mein Baby.“
All Schulleiter einer Grundschule ist man Allrounder. Studiert hat Heidi Heidler Musik, Deutsch und Geografie in Oldenburg. Unterrichtet hat sie später alles, was an Grundschulen unterrichtet werden muss. Auch Religion, Sachkunde, Kunst, Mathematik. „Das hat man sich dann alles selbst angeeignet.“ Auch Schwimmen gelernt haben die Kinder bei Heidi Heidler.
Vieles hat sich verändert, wurde geradezu umgekrempelt in drei Schul-Jahrzehnten. Nicht nur von ihr, sondern vor allem „von oben“, von Schulbehörde und Ministerium. Bis 1990 wurde noch Griechisch unterrichtet an der Grundschule – für die Kinder der Olympia-„Gastarbeiter“. Die Schullaufbahnempfehlung nach Ende der längst wieder abgeschafften Orientierungsstufe gab es, die Rechtschreibreform kam, die Verlässliche Grundschule, die eigenverantwortliche Schule und Ganztagsschule wurden eingeführt. Schulinspektionen sind heute ebenfalls Thema, genau wie die Inklusion. Computer und Englisch fanden Einzug in den Unterricht. Der Förderverein der Grundschule wurde gegründet. Die Klassenräume wurden bunter, der Schulhof grüner und abenteuerlicher. Überhaupt: die Unterrichtsmethoden haben sich gewandelt, der Umgang zwischen Schülern und Lehrern sei entspannter aber nach wie vor respektvoll. Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist viel intensiver. Viele Eltern kennt sie noch als Abc-Schützen, denen sie einst das Lesen und Schreiben beigebracht hat. Heute unterrichtet sie ihre Kinder.
Immer weniger Schüler
Viele sind es nicht mehr. 88 Kinder besuchten 1991, als Heidler Schulleiterin wurde, ihre Grundschule. Innerhalb weniger Jahre verdoppelte sich die Zahl auf 165 Schüler. Ursache für den Zuwachs waren die damals neuen Baugebiete in Roffhausen und Middelsfähr. Wie in fast allen Grundschulen geht es mit der Schülerzahl auch in Roffhausen seit Jahren rapide nach unten. Gut 80 Kinder sind es nur noch in diesem Schuljahr, deutlich unter 80 werden es im neuen Schuljahr sein.
Und so steht über der Zukunft der Grundschule Roffhausen, wie über anderen Grundschulen auch, ein Fragezeichen. Nicht nur in Schortens hat die Diskussion über die Grundschulstandorte begonnen. „Ich könnte es nicht ertragen, wenn ,meine Schule‘ geschlossen wird“, sagt Heidi Heidler. „Es wird Zeit, dass ich gehe.“
