NORDENHAM - NORDENHAM - Bei aller Vorfreude auf die Sommerferien mischte sich gestern auch eine gehörige Portion Wehmut in das Gefühlsleben des Lehrerkollegiums der Realschule I. Denn einer von ihnen wird in sechs Wochen nicht wieder zum Dienst antreten: Nach 38 Jahren geht in Sport- und Englischlehrer Herbert Backhaus ein Urgestein, das Generationen von Schülern geprägt hat, in den Ruhestand.
„Ich halte diesen Zeitpunkt für günstig, um Abschied zu nehmen. Wer weiß schon, was mit 65 ist“, freut sich der gebürtige Westfale aus Minden nun auf einen aktiven Ruhestand. Rektor Walther Vogel lobte gestern bei der feierlichen Verabschiedung das Engagement des Bald-Pensionärs und zeichnete dessen Stationen nach. Zuerst habe er – seiner Vorliebe für Sprachen folgend – Dolmetscher werden wollen. Auch der großen Nachfrage nach Lehrkräften in den 60er-Jahren sei es geschuldet gewesen, dass Herbert Backhaus umgesattelt und ein Lehramtsstudium in Göttingen begonnen habe.
Gleich seine erste Lehrerstation führte Herbert Backhaus dann nach Nordenham. Das war 1968, im Jahr der APO-Proteste und des Prager Frühlings. Mit einer kurzen Auszeit – 1972 ging der heute 63-Jährige als Assistant Teacher nach Manchester – ist Herbert Backhaus „seiner“ Realschule bis heute treu geblieben. „Mit dir tritt die Alte Garde ab“, sagte Vogel mit Blick auf fast vier Jahrzehnte an der Schule.
Der Verabschiedete konnte sich als passionierter Nichtraucher auch im Jahr zwei der nikotinfreien Schule einen Seitenhieb auf einige (Ex-)Kollegen nicht verkneifen: „Da wurde ich früher ausgelacht, als ich zumindest für die Fünfminutenpause ein rauchfreies Lehrerzimmer haben wollte.“ Ansonsten habe er dank seiner mentalen Robustheit „am Rande der bewohnbaren Welt“ – gemeint ist Nordenham – überlebt. Eines habe er bemerkenswert gefunden, so Backhaus: „In all den Jahren hat kein einziger Schüler Hand an das Ventil meines Fahrrads gelegt.“ Dies betrachte er als höchstes Zeichen der Anerkennung.
In Depressionen werde er nun nicht fallen, gelobte Backhaus. Ehefrau Inge und seine früheren Kollegen von der „Alten Garde“ werden dies auch zu verhindern wissen. An Hobbys fehlt es dem „Schulabgänger“ nicht: Neben Fußball, Tennis und Skat halten ihn vor allem Reisen auf Trab.
