NORDENHAM - Die jüngeren Jahrgänge sind in Niedersachsen unterwegs. Die zehnten Klassen fahren in die deutschen Großstädte.

von jens joest

NORDENHAM - Die Zahl der Klassenfahrten hat an den Haupt- und Realschulen Nordenhams sowie am Gymnasium in den vergangenen Jahren abgenommen. Das ergab eine Umfrage der NWZ bei den Schulleitern. „Die Reduzierung ist aus Kostengründen erfolgt“, gibt der Leiter der Realschule am Luisenhof, Wolfgang Battenberg, den Hauptgrund an, der für alle Schulen gleichermaßen zutrifft.

Große Fahrten finden nach Angaben mehrerer Schulleiter längst nicht in jedem Jahr statt. „Wir haben unser Konzept auch in Abstimmung mit den Eltern auf in der Regel drei Fahrten zwischen den Klassen 5 und 13 reduziert“, sagt der Leiter des Gymnasiums Nordenham, Klaus-Dieter Laske. Seine Schüler gehen meist in den Klassen 6, 10 und 12 oder 13 auf Reisen.

Die jüngeren Jahrgänge sind vor allem in Niedersachsen unterwegs. Damit kommen die Schulen einem Wunsch des Landes-Kultusministers Bernd Busemann (CDU) nach. Er hatte im NWZ -Interview für Fahrtziele in Niedersachsen geworben.

Klaus-Dieter Laske nennt zum Beispiel die Stadt Lingen als Ziel der Gymnasiasten. Walther Vogel, Leiter der Realschule I, ergänzt Clemenswerth, Stade und den Harz, wo die Schüler in Kursen zum Beispiel Teamarbeit und Kommunikation trainieren. Neu im Trend sind nach Angaben von Wilfried Batschat, dem Leiter der Luisenhof-Hauptschule, zum Beispiel Heu-Hotels und so genannte Waldeinsätze. „Dabei quartieren sich die Klassen in Häusern in der Natur ein, arbeiten vormittags zwei oder drei Stunden im Wald und entdecken nachmittags die Umgebung“, erläutert Batschat. Die Lüneburger Heide ist ebenso immer wieder Ziel jüngerer Jahrgänge an Nordenhamer Schulen. Christian Schöckel, Leiter der Abbehauser Hauptschule, führt Ziele in Schleswig-Holstein wie Rendsburg und Eutin an.

Häufige Ziele für Zehntklässler sind Hamburg und München. „Hinzu kommt Berlin, wo die Schüler natürlich auch den Bundestag und andere politische Institutionen besuchen“, sagt Schöckel.

Fahrten am Ende der neunten oder zehnten Klasse führen die Nordenhamer Schüler mit wenigen Ausnahmen in deutsche Städte. Es wird aber auch London angesteuert, vor allem, wenn der Klassenlehrer Englisch unterrichtet. Hinzu kommen einwöchige Segeltörns auf dem Ijsselmeer in den Niederlanden.

Einzig die Studienfahrten der Gymnasiasten am Ende der Klasse 12 oder zu Beginn der Klasse 13 führen überwiegend ins Ausland. Je nach Fach steuern die Leistungskurse London, Paris oder Prag an, hinzu kommen selten Ziele wie die Toskana. „Allerdings fahren nicht alle Kurse ins Ausland“, sagt Laske. Auch Berlin sei für die angehenden Abiturienten immer wieder ein Fahrtziel.

Schwieriger werde die Finanzierung der Fahrten, sagt Walther Vogel, Leiter der Realschule I. „Immer mehr Schüler müssen Zuschüsse beantragen“, hat Wolfgang Battenberg, sein Kollege vom Luisenhof, beobachtet. Bei Empfängern des Arbeitslosengeldes II hilft das Sozialamt, zudem steuern – in wenigen Einzelfällen pro Schule und Jahr – Fördervereine Geld bei. Denn die Bedeutung spricht den Fahrten niemand ab: „Sie sind wichtiger Bestandteil der Sozialisation der Schüler“, sagt Hauptschul-Leiter Batschat.