Nordenham - Die Pläne der Oberschule I an der Pestalozzistraße in Nordenham, die zum Schuljahr 2018/19 eine Integrierte Gesamtschule (IGS) werden möchte, sorgen weiter für Diskussionen in der Stadt. Die ablehnende Stellungnahme der CDU-Stadtratsmitglieder Annegret Conrady und Dr. Tilman Kaethner enthält nach Ansicht der Leiterin der Oberschule I, Hei-drun Beck, sachliche Fehler.
Rektorin Heidrun Beck stellt klar: Die Einrichtung einer IGS ist nicht abhängig von der Einrichtung einer Oberstufe ab der 11. Klasse. Die Rektorin der Oberschule I fügt hinzu: „Wir wollen auf keinen Fall eine Oberstufe bei uns einrichten.“
Schon bisher gehen ihren Angaben zufolge Schüler der Oberschule häufig weiter auf die allgemeinbildenden Gymnasien in Nordenham oder Tossens oder an die beruflichen Gymnasien in der Berufsschule. Heidrun Beck in ihrer Stellungnahme weiter: „Außerdem bereitet die IGS – anders als etwa Gymnasien – durch starke berufsorientierende Programme auf den Einstieg in die duale Berufsausbildung vor. Das wird auch Ziel der neuen IGS sein.“
Schwache Gymnasiasten
Neben Angeboten für Haupt- und Realschüler soll die geplante IGS laut Heidrun Beck auch Angebote für Schüler auf gymnasialem Niveau haben: „Etliche Schüler gehen im Laufe ihrer Entwicklung vom Gymnasium ab und besuchen dann die Oberschule. Für diese Zielgruppe – gute Realschüler, schwache Gymnasiasten – soll die IGS ein Angebot bereithalten, um sie optimal in ihren Möglichkeiten zu beschulen.“
Durch unterschiedliche Kursniveaus können diese Schüler, so erläutert Heidrun Beck, in ihren schwächeren Fächern besser begleitet werden, ihre Stärken werden aber in gymnasialen Kursen weiterhin gefordert. Die Einrichtung solcher gymnasialer Kurse sei zurzeit an der Oberschule nicht möglich.
Rektorin Heidrun Beck unterstreicht zugleich unmissverständlich: „Durchweg gute Schüler sollen aber weiterhin das Gymnasium besuchen.“
Die angestrebte IGS Nordenham sehe sich nicht als Konkurrenz zum Gymnasium, da die Schule weiterhin vierzügig bleiben und nicht größer werden wolle. „Diese Größe hat die Schule bereits jetzt – und das durch konstant hohe Anmeldezahlen seit mehreren Jahren. Weder das Gymnasium Nordenham, noch der Luisenhof oder die Schulen in Butjadingen müssten mehr Schüler abgeben.“
Kein höheres Gehalt
Die beiden CDU-Ratsmitglieder vermuten laut Hei-drun Beck, dass Lehrer an der IGS besser bezahlt würden. Richtig sei, so Heidrun Beck, dass die Lehrervergütung vom Land festgelegt ist. Für Haupt- und Realschullehrer werde es keine Veränderungen geben. Eine Ausnahme stellten nur Gymnasiallehrer dar, die die gymnasialen Kurse an der IGS unterrichten. Sie erhalten entsprechend ihrer Ausbildung und Einstellung das höhere Gehalt, das sie auch am Gymnasium bekommen.
Heidrun Beck widerspricht der Einschätzung, dass die Schullandschaft in Nordenham durch die Einführung einer IGS eingeschränkt werde. Das Gegenteil sei der Fall: Eltern und Kinder könnten dann zwischen drei Schulformen wählen – statt wie bisher zwischen zwei.
Auch die Einschätzung, von Annegret Conrady und Tilman Kaethner, dass eine IGS im Landkreis Wesermarsch ausreichend sei, teilt die Schulleitung der Oberschule nicht. Im Vergleich zu anderen Städten und Landkreisen sei die Wesermarsch unterversorgt. Schülerbeförderung nach Brake zur IGS sei für die Kinder nicht zumutbar. Heidrun Beck: „Gerade Nordenham als bevölkerungsreichste Stadt sollte für Eltern und Kinder die drei Schulformen anbieten können – das ist ein Standortfaktor für Nordenham und die nördliche Wesermarsch.“
