NORDENHAM - Für die Vermittlung einer umfassenden Bildung als Hauptaufgabe des Gymnasiums hat sich der niedersächsische Philologentag in Goslar ausgesprochen, auf dem der Ortsverband Nordenham des Philologenverbandes durch die Lehrer Thomas Passmann und Markus Scharrer vertreten war.
Eine breite und vertiefte Allgemeinbildung sei die beste Vorbereitung auf die Herausforderungen der Zukunft, betonten die Delegierten Passmann und Scharrer. Eine solche Bildung bedeute vor allem Persönlichkeitsbildung, Wertebewusstsein, Verantwortung gegenüber dem Ganzen und eine feste Verankerung in der europäischen Kultur. Dieser Bildungsbegriff sei bedroht durch die von den PISA-Leistungsuntersuchungen ausgehende Einengung der schulischen Arbeit auf das Mess- und Vergleichbare.
Diese Tendenzen schlagen sich laut Passmann und Scharrer auch in den neuen niedersächsischen Lehrplänen für verschiedene Fächer nieder. So sei etwa im Fach Deutsch für die Klassen 5 bis 10 nur noch das Aneignen von 391 abstrakt formulierten Fertigkeiten, sogenannten Kompetenzen, vorgeschrieben. Die Inhalte dagegen seien beliebig auswechselbar. Da stünden dann Johann Wolfgang von Goethe, Thomas Mann, Rosamunde Pilcher und die Gebrauchsanweisung für Handys als Texte praktisch gleichberechtigt nebeneinander.
Passmann und Scharrer: „Das Gymnasium, das die künftigen Führungsschichten heranbildet, muss neben Orientierungswissen für den Alltag ein geistig-kulturelles Grundlagenwissen und ein Werte- und Verantwortungsbewusstsein vermitteln.“
Die Delegierten unterstützen auch die Kritik des Philologentages an den Arbeitsbedingungen in den niedersächsischen Gymnasien. Bei Klassengrößen von 30 und mehr Schülern sei es kaum noch möglich, Schüler individuell zu fördern. Etwa 22 Schüler pro Klasse im Sekundarbereich I und 18 Schüler in den Oberstufenkursen wären die richtige Größenordnung.
Ministerpräsident Christian Wulff, der vor den Delegierten zu bildungspolitischen Grundsatzfragen Stellung nahm, hat Abhilfe versprochen. Nach der Verkürzung der Gymnasialschulzeit auf 12 Jahre ab 2011 würden die Klassenstärken schrittweise gesenkt und die Arbeitsbedingungen verbessert.
Passmann und Scharrer fordern aber auch eine Beseitigung der „Monsterbürokratie", die mit der missglückten Ausgestaltung der Eigenverantwortlichen Schule verbunden sei: „Wir haben immer weniger Zeit für die Vorbereitung von gutem Unterricht, weil wir ständig überflüssige Konzepte ausarbeiten und Lehrpläne entwickeln müssen.“
