NORDENHAM - Eine dunkelhäutige Erstklässlerin fällt auf die Nase. Ein Drittklässler hilft ihr auf – und wundert sich, dass sie perfekt Deutsch sprechen kann. Am Mittagstisch trägt ein Schüler aus der vierten Klasse einem Schulanfänger hilfsbereit die Suppe auf. Im Bibliotheksraum nuckelt ein Erstklässler am Daumen, während ihm eine Schülerin aus der zweiten Klasse vorliest. Es sind Szenen wie diese, über die sich Schulleiter Reinhard Duddeck richtig freut: „Ohne Ganztagsschule würde es das nicht geben.“
Seit Schuljahresbeginn ist die Grundschule Nord eine offene Ganztagsschule – nach Einswarden und Friedrich-August-Hütte die dritte von zehn Grundschulen in Nordenham. „Und sie wird angenommen ohne Ende“, berichtet Rektor Reinhard Duddeck.
Mit 47 Kindern
Er hatte viel weniger erwartet, sich vor den Sommerferien gesagt: „Mit 20 Kindern wäre das schön.“ Jetzt nehmen 47 von 89 Schülern das montags bis donnerstags laufende Angebot in Anspruch. Für berufstätige Eltern sei das eine große Entlastung und für alle Kinder eine Bereicherung. „Die erleben hier richtig was.“
Von den 47 gehen 38 nicht zum Mittagessen nach Hause, sondern ins Mehrgenerationenhaus. Investitionen in eine Schulmensa waren deshalb nicht nötig. Für die Betreuung während der Essenszeiten wünscht sich die Schule freilich noch Unterstützung von Eltern oder Interessierten. Bisher begleiten stets zwei Lehrer oder pädagogische Mitarbeiter die Kinder.
Nach der Mittagspause ist von 13.30 bis 14.30 Uhr Zeit für Hausaufgaben – in kleinen Gruppen von jeweils 10 bis 15 Kindern, unterstützt von einem Lehrer sowie Schülern des Gymnasiums. Für eine Aufwandsentschädigung helfen sieben Schülerinnen und ein Schüler des Gymnasiums sowie zwei Erzieherinnen mit und bieten Arbeitsgemeinschaften wie Zirkus, Breakdance oder Tanz an.
Die Stadt Nordenham zahlt jährlich 5000 Euro für Sach- und Personalkosten. Von der Landesschulbehörde hat die neue Ganztagsschule zehn Lehrerstunden für den Nachmittagsbereich zugewiesen bekommen. Lehrer, die in der Zeit von 12.45 Uhr bis zum Ende des Nachmittagsangebots um 15.45 Uhr tätig sind, bekommen jeweils nur zwei Stunden angerechnet.
Dennoch trägt laut Schulleiter Reinhard Duddeck das ganze Kollegium die Ganztagsschule mit. Wenn nicht alle gewollt hätten, so auch Hausmeister und Reinigungskraft mit veränderten Arbeitszeiten, wäre sie nicht realisierbar gewesen.
Noch müsse sich vieles einspielen. „Für alle ist das Neuland. Es knirscht noch an allen Ecken und Kanten. Einiges hat sich aber schon eingeschliffen. Wir hoffen auf richtige Entspannung nach den Herbstferien.“
Wenn die Hausaufgaben in der Schule gemacht sind, wollen die Kinder vor allem eines: spielen. „Das kann kein Unterricht sein, da müssen wir dazulernen“, berichtet der Schulleiter. So gehört zu den Angeboten ein Spielenachmittag im Mehrgenerationenhaus. Eine pädagogische Mitarbeiterin hilft Kindern im Computerraum bei einen Film. In einer anderen Gruppe werden Grundschüler an Musikinstrumente herangeführt. Es gibt auch eine Kunst-AG. Die Garten-AG betätigt sich im interkulturellen Garten am Wasserturm (dieNWZ
berichtete bereits). Eine Oma bietet einen Nähkurs an. Eine Erzieherin arbeitet mit dem Kneipp-Verein zusammen. Es gibt eine Fußball- und Sport-AG sowie viel Spiel und Spaß auf dem Schulhof.Zum Fußballtraining frei
Drei Kinder verlassen das Schulgelände, um an der evangelischen Kinderkirche teilzunehmen. Auch wer im Verein Fußball spielt oder einen Kurs der Musikschule besucht, darf für die Zeit in der Schule fehlen.
„Wir hätten gerne noch mehr Angebote und kleinere Gruppen. Wir sind deshalb offen für weitere Vereine und würden gerne noch mehr Leute mit in unser Boot holen“, lädt der Schulleiter Interessierte zum Mitmachen ein.
