NORDENHAM - Vielleicht, sagt ein Lehrer des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Marbach am Neckar, ist Bildung nicht Wissen, sondern das Interesse an Wissen. Doch Interesse muss geweckt werden, vor allem wenn es um die wenig geliebten Naturwissenschaften geht. Dass dies möglich ist, zeigt der Film „Zukunft des Wissens – Wie Bildungsarbeit weltweit gelingt“.
Rund 60 Zuschauer
Zu sehen war er am Dienstag bei einem Informationsabend in der Jahnhalle. Rund 60 Lehrer, Eltern und Schüler kamen zu der von Reinhard Komar, dem Vorsitzenden des Stadtelternrates und des Elternrates des Gymnasiums, organisierten Veranstaltung.
Der Autor Dr. Paul Schwarz hat für den Film Schulen in Finnland, Japan, Kanada und Deutschland besucht. Zu sehen sind nur positive Beispiele. Doch zurück nach Marbach am Neckar. Diese Schule folgt einer klaren Leitidee: „Alle kommen ans Ziel – das ist unser Anspruch.“ Bei 2200 Schülern keine Kleinigkeit, doch es scheint zu funktionieren: 2007 bekam das Gymnasium den Deutschen Schulpreis.
Der Schulleiter erklärt, wie es geht: „Alle Schüler haben Talente. Aufgabe der Schule ist es, diese Talente zu entdecken und zu fördern. Dazu machen wir viele Angebote.“ So gibt es das Fach Naturphänomene, in dem Fünft- und Sechstklässler beispielsweise die Elektrizität kennenlernen. Ältere sitzen am Computer und sehen Ballerspiele; das EKG misst, wie ihr Körper auf bestimmte Szenen reagiert. Zehntklässler haben Schweineherzen vor sich, die ihnen anschaulich zeigen, wie das ganz ähnliche Herz eines Menschen arbeitet.
Ausgangspunkt des Films ist Finnland. Hier besuchen die Schüler eine sechsjährige Grundschule und anschließend eine dreijährige Mittelschule – immer gemeinsam. Sitzenbleiben ist verboten, deshalb gibt es viel Förderunterricht; außerdem arbeiten in manchen Klassen Lehrer-Assistenten. Naturwissenschaftlicher Unterricht findet oft im Freien statt – sozusagen direkt am Objekt. Lehrer, Eltern und Schulverwaltung zeigen sich stark am Bildungserfolg der Kinder interessiert.
Ähnlich ist es in Kanada, wo der Erziehungsdirektor eines Distrikts sagt: „Unser Ziel ist es, dass alle Schüler den Abschluss schaffen.“ Die Liebe zur Naturwissenschaft wird auch hier durch Unterricht in der Natur vermittelt. Zwölftklässler unterrichten Jüngere in Biologie, Frontalunterricht ist die Ausnahme. Bei sozial schwächeren Schülern verhindert ein Frühstücks-
club, dass sie mit leerem Magen in den Unterricht gehen. Unternehmen sponsern Ferienfreizeiten.
Als besonders effektiv gilt das japanische Schulsystem: Alle Schüler werden neun Jahre lang gemeinsam unterrichtet, 95 Prozent schaffen es in die Oberstufe. Die Schule ist als umfassender sozialer Raum konzipiert und nicht als Lehranstalt. Obwohl japanische Schüler tagsüber länger in der Schule bleiben und kürzere Ferien haben, sind sie weniger gestresst als deutsche.
An einigen Beispielen aus Mexiko zeigt der Film, dass selbst unter schwierigsten Bedingungen – in vielen Schulen wird in zwei Schichten unterrichtet – engagierter Unterricht möglich ist.
Wenig motiviert
Dennoch sprachen sich Landrat Michael Höbrink, der Direktor des Gymnasiums, Klaus-Dieter Laske, und Reinhard Komar in der Diskussion dafür aus, dass mehr Geld in die Bildung investiert werden müsse sowie kleinere Klassen und bessere Ausstattung dringend erforderlich seien. Eine Schülerin monierte, dass nicht wenige Lehrer mit sichtlich geringer Motivation in die Klassen kämen und die Schüler entsprechend wenig motivieren könnten.
Der Film schließt mit der Erkenntnis, dass die Länder erfolgreich sein werden, die sich nicht beklagen und den Veränderungen anpassen.
