NORDENHAM - Früher war mit dem Begriff „Oberschule“ das Gymnasium gemeint. Jetzt verbirgt sich dahinter eine neue Schulform, die in Niedersachsen auf Dauer die Haupt- und Realschulen ersetzen soll. Die Leiter der betroffenen Schulen in Nordenham warten nun auf Einzelheiten des Konzepts, dessen Umsetzung die CDU/FDP-Landesregierung zum nächsten Schuljahr anpeilt.
Überforderte Eltern
Der Rektor der Hauptschule Abbehausen, Christian Schöckel, betrachtet die geplante Reform mit gemischten Gefühlen. Aus seiner Sicht ist nicht die organisatorische Struktur entscheidend, sondern der Inhalt. „Das Wichtigste ist die Frage, wie den Kindern wirklich geholfen werden kann.“ Hilfe benötigen seiner Ansicht nach vor allem sozial benachteiligte Schüler. In den meisten Fällen mangele es nicht an der Lernfähigkeit, sondern an der Lernbereitschaft. „Damit sind viele Eltern überfordert“, sagt Christian Schöckel, „das ist ein gesellschaftliches Problem.“ Und das könne durch eine Verschmelzung von Haupt- und Realschulen „nur oberflächlich gelöst werden“.
Der Abbehauser Rektor ist davon überzeugt, dass in kleineren Schulen – wie der seinen – eine individuelle Förderung von Schwächeren viel besser zu bewerkstelligen ist als an großen Schulzentren. Deshalb hofft er, dass die Abbehauser Hauptschule, die zurzeit 152 Schüler besuchen, noch möglichst lange bestehen bleibt. Sollte auf politischer Ebene eine Zusammenlegung beschlossen werden, wäre die Realschule I der Abbehauser Partner. Der Standort in Abbehausen könnte entweder als Außenstelle der neuen Oberschule fortgeführt werden oder es käme auch zu einer räumlichen Angliederung an die Realschule I in der Stadtmitte. Als „denkbar schlechteste Lösung“ stuft Christian Schöckel eine mögliche Zusammenführung aller Nordenhamer Haupt- und Realschulen am Einswarder Luisenhof-Zentrum ein. „Das wäre eine zu große Einheit“, sagt er, „da würden viele Schüler untergehen.“
An der Realschule I wollen sich die Lehrer demnächst in einer Dienstbesprechung mit den Reformplänen befassen. „Da gibt es noch viele offene Fragen, das Thema ist ganz neu“, sagt der stellvertretende Schulleiter Wolfgang Ringat und hält sich daher mit einer Bewertung zurück.
Nach Wolfgang Ringats Einschätzung ist die Oberschulen-Idee „an einigen Orten sicherlich sehr sinnvoll, an anderen aber gar nicht umsetzbar“. Bei den Zusammenlegungen dürften die räumlichen Gegebenheiten nicht außer Acht gelassen werden. An der Realschule I werden zurzeit 536 Mädchen und Jungen unterrichtet.
Bedeckt halten sich die beiden Leiter der Schule Am Luisenhof. Wilfried Batschat von der Hauptschule und Wolfgang Battenberg von der Realschule wollen erst die Vorlagen ansehen, ehe sie Stellung nehmen. „Entscheidend ist nicht der Name, sondern der Inhalt“, sagt Wilfried Batschat. Die individuelle Förderung des Schülers müsse erhalten bleiben. Schüler, die Schwierigkeiten hätten, dürften nicht im System untergehen. Wichtig sei auch, dass die derzeitige Durchlässigkeit zwischen den Schulformen erhalten bleibe.
Haus des Lernens
Wilfried Batschat und Wolfgang Battenberg haben an ihren Schulen ein neues Modell entwickelt, für das sie derzeit bei den Fraktionen im Kreistag werben: eine Kooperative Gesamtschule mit Gymnasialzweig bis Klasse 10 unter dem Titel „Haus des Lernens“. Dazu wollen sie aber keine Einzelheiten nennen, ehe sie nicht alle politischen Entscheidungsträger informiert haben. Wie sich ihre Pläne zu denen der Landesregierung verhalten, können sie noch nicht absehen.
Auch der Direktor des Gymnasiums Nordenham, Klaus-Dieter Laske, will sich den Entwurf der Landesregierung erst genau ansehen, ehe er dazu Stellung bezieht.

