NORDENHAM - Bereits vor mehr als zehn Jahren hat für das Gymnasium Nordenham im Zuge der Einführung der eigenverantwortlichen Schule die Suche nach einem Schulprogramm begonnen. Mit diesem sollten sich die Schulen nach bildungspolitischen Vorgaben individualisieren, jede Lehranstalt sollte einen verpflichtenden Katalog von Arbeitsschwerpunkten und Standards festlegen – gleichsam als Rechenschaftspflicht, die mit der neu gewonnenen Freiheit der Selbstbestimmung einhergehen sollte.

Dass die Arbeit an „Bausteinen zu diesem Katalog“ bis heute andauere, sagt Direktor Klaus-Dieter Laske, habe verschiedene Gründe: „Zum einen kamen der Arbeit am Schulprogramm immer wieder bildungspolitische Veränderungen in die Quere – zum Beispiel die Einführung der fünften und sechsten Klassen, das Zentralabitur oder das Kerncurriculum in der Mittelstufe.“

„Lehrer sind Einzelkämpfer“Zum anderen habe es immer Diskussionen bezüglich einer späteren Evaluation gegeben, ergänzt Gerhard Groen, Studiendirektor an der Nordenhamer Schule. Die Überprüfung einmal festgelegter Qualitätsstandards müsse nämlich intern geschehen, mit anderen Worten: Lehrer hospitieren bei ihren Kollegen und üben gegebenenfalls konstruktive Kritik. Diese Vorstellung sei im Kollegium nicht auf positive Resonanz gestoßen, sagt Groen: „Als Lehrer sind wir Einzelkämpfer.“

Seit längerer Zeit bemühe sich das Gymnasium jedoch wieder intensiv, nach und nach ein Schulprogramm zu erarbeiten, berichtet Laske. „Dabei wollen wir keine Hochglanzprospekte mit austauschbaren Inhalten zusammenschustern“, sagt Laske – Ziel sei es vielmehr, einen fundierten Kanon zu erstellen. Ein weiterer Schritt in diese Richtung sei die dieser Tage stattfindende schulinterne Lehrerfortbildung (Schilf) mit der Überschrift „Guter Unterricht am Gymnasium Nordenham – Ein Beitrag zur Schulprogrammentwicklung“. Dieser Titel sei in dreifacher Hinsicht Programm:

„Schüler sind objektiver“

Zum einen sei das Ziel der Schilf die Erarbeitung einheitlicher Qualitätsstandards für Unterricht am Nordenhamer Gymnasium. Das Ergebnis werde im Folgenden in einer Redaktionsgruppe zusammengefasst und so zu einem entscheidenden Schritt in Richtung verpflichtender Qualitätskriterien, erklärt Groen.

Zum zweiten fördere die Schilf den Austausch zwischen Schülern, Eltern auf der einen und Lehrern auf der anderen Seite – „es bringen nämlich auch acht Elternteile und acht Schüler ihre Vorstellungen von qualitativem Unterricht ein“, sagt Groen. Professor Hilbert Meyer von der Universität Oldenburg, der zu einem Impulsreferat am Anfang der Fortbildung eingeladen worden war, ergänzt: „Schüler sind Studien zufolge objektiver bei der Unterrichtsbewertung als ihre Lehrer.“

Und drittens lerne das Kollegium zusammenzuarbeiten und über Qualität zu diskutieren. Das sei schließlich die Grundvoraussetzung der späteren Evaluation.

„Die Hospitation untereinander wird in der Zukunft zum Lehreralltag gehören“, vermutet Professor Meyer. In anderen Ländern sei solch eine „Kultur der offenen Tür“ seit langem fester Bestandteil des Bildungssystems. Die Schule in Nordenham sei also in jedem Fall auf dem richtigen Weg.