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Bildung Zu wenig Eltern wollen Gesamtschule

Horst Lohe

Nordenham - Das Ergebnis der mit Spannung erwarteten Elternbefragung zur Einführung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) an der Oberschule I an der Pestalozzistraße in Nordenham liegt vor. Das hat der Landkreis Wesermarsch Mittwochmorgen mitgeteilt. Danach haben sich nicht genug Eltern für eine IGS ausgesprochen. Folglich kann aus dem Vorhaben der Oberschule I nichts werden. Sie bleibt Oberschule und Nordenham bekommt keine Integrierte Gesamtschule.

1351 Fragebögen verteilt

An Eltern der Grundschulkinder in Nordenham, Butjadingen und Stadland sind insgesamt 1351 Fragebögen ausgegeben worden. 907 gingen an den Landkreis zurück. Somit lag die Beteiligung bei 67 Prozent. Nur 292 Eltern haben für die IGS gestimmt. 597 lehnten das Vorhaben der Oberschule I ab.

„Ich bin schon etwas enttäuscht“, räumt Schulleiterin Heidrun Beck ein. „Wir hätten gerne dazu beigetragen, die Schullandschaft in Nordenham vielfältiger zu gestalten.“

Heidrun Beck verweist auf zahlreiche Städte, in denen Eltern die Möglichkeit haben, sich für die seit 40 Jahren erfolgreich etablierte Schulform der IGS zu entscheiden. Besonders für die Eltern, die von dem IGS-Konzept überzeugt werden konnten, sei bedauerlich, dass Nordenham nun keine Gesamtschule bekommt.

Heidrun Beck weiter: „Die anscheinende Zufriedenheit mit dem erfolgreichen System unserer Oberschule I führte wohl dazu, dass die Eltern das zusätzliche Angebot einer IGS nicht brauchen. Denn Vieles, was die IGS ausmacht, leisten wir bereits an unserer Oberschule.“ In den vergangenen Jahren sei die Schülerzahl stetig gestiegen.

Mittlerweile werden 640 Kinder in 24 Klassen unterrichtet. Drei der sechs Jahrgänge sind bereits fünfzügig.

Ivonne Solbrig, Vorsitzende des Stadtelternrates, hat das Ergebnis der Elternbefragung überrascht. „Ich bin davon ausgegangen, dass genügend Eltern für eine IGS stimmen werden.“ Auf Anfrage der NWZ fügte sie am Mittwoch hinzu: „Vielleicht lässt sich das negative Ergebnis so erklären: Schon im Alltag der Grundschule hat sich gezeigt, dass bei den Bemühungen, leistungsstarke und leistungsschwache Schüler in einem gemeinsamen Jahrgang gleichermaßen zu fördern und zu fordern die Theorie und die Praxis auseinanderdriften.“

Elternvertreter und Lehrer der zweiten Oberschule in Nordenham, der Oberschule am Luisenhof in Einswarden, sowie die CDU-Stadtratsmitglieder Dr. Tilman Kaethner aus Einswarden und Annegret Conrady aus Blexen hatten sich vor der Elternbefragung besorgt geäußert. Sie fürchteten, dass nach Gründung einer IGS die Zahl der Oberschüler am Luisenhof abnehmen wird und dieser Schulstandort längerfristig in Gefahr gerät.

„Ich bin sehr froh“, kommentierte am Mittwoch auf Anfrage der NWZ der Leiter der Luisenhofschule, Rainer Janßen, das Ergebnis der Elternbefragung. „Das macht die Zufriedenheit mit den Angeboten der beiden Oberschulen in Nordenham sehr deutlich“, meint er.

Ruhe kehrt ein

Rainer Janßen ist nach den vielen Diskussionen und Unwägbarkeiten auch froh, „dass jetzt Ruhe in den Schulalltag kommt und wir uns noch mehr auf das Wesentliche konzentrieren können: die Qualität des Unterrichts und die Zuwendung zu den Schülern.“ Die jetzt gegebene Sicherheit für den Fortbestand beider Oberschulen werde die Motivation der Lehrkräfte, aber auch der engagierten Eltern und der Schüler erhöhen. „In diesem Zusammenhang werden wir verschärft an unseren Konzepten arbeiten und sie verbessern und erweitern“, so Rainer Janßen.

Auch die Oberschule I an der Pestalozzistraße will ihr Angebot weiter ausbauen. So ist laut Schulleiterin Heidrun Beck bereits eine weitergehende Zusammenarbeit mit Nordenhamer Handwerksbetrieben geplant.

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