NORDENHAM - Am 7. Februar tauscht Peter Dirichs den milden Winter Nordenhams gegen die tropische Sonne Westafrikas. In Mali wird der Sprecher der Arbeitsgruppe „Brücke Nordenham/Kayes“ an der Einweihung zweier Gesundheitszentren teilnehmen, deren Errichtung dank großzügiger Spenden aus Nordenham und Umgebung möglich geworden ist. Außerdem sieht er sich ein Dorf an, in dem mit Unterstützung aus Nordenham eine neue Schule gebaut werden soll.
Dirichs reist nicht allein: Begleitet wird er vom pensionierten Konrektor Uwe Haars als Vertreter der Realschule I und zwei weiteren interessierten Nordenhamern. Neben der Grundschule Rodenkirchen ist die Realschule an der Pestalozzistraße eine der großen, verlässlichen Stützen der Mali-Initiative. Bei einem Sponsorenlauf im vergangenen Jahr haben die Nordenhamer Realschüler 16 000 Euro für das arme afrikanische Land zusammenbekommen (die NWZ berichtete). Davon gehen 9000 Euro in das Gesundheitszentrum des Dorfes Darsalam, wo mit Hilfe der „Brücke“ schon eine Schule errichtet worden ist. Das selbst für malische Verhältnisse arme Dorf ist aus einer Ansiedlung für die schwarzafrikanischen Arbeiter einer Sisal-Plantage aus der französischen Kolonialzeit hervorgegangen. Die gleiche Geschichte liegt hinter dem Dorf Samé-Plantation, wo das zweite Gesundheitszentrum eingeweiht wird.
„In Mali kommt rechnerisch auf 23 000 Einwohner ein Arzt“, sagt Peter Dirichs. „Aber in den kleinen Dörfern praktizieren keine Ärzte.“ Deshalb fördert die Regierung in der Hauptstadt Bamako Gesundheitszentren, die die medizinische Grundversorgung der Landbevölkerung sicherstellen sollen. Geld gibt das Gesundheitsministerium aber nicht dazu, wie Dirichs sagt. Vielmehr gewährleistet es durch Amtsärzte – der nächste sitzt in der Distrikthauptstadt Kayes – fachliche Aufsicht sowie die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter. Außerdem bezahlt die Regierung die Impfstoffe – aber nur, wenn die Kommune einen Kühlschrank samt Stromversorgung finanziert.
Der Bau der Gesundheitszentren muss von den – ebenfalls unter chronischer Finanznot leidenden – Kommunen geschultert werden. Kein Wunder, dass die Bürgermeister bei der Entwicklungs-Organisation Solidarität für den Sahel (Solisa) Schlange stehen. Solisa akquiriert Hilfsgelder aus den reichen Ländern – auch von der „Brücke“.
Der Bau eines Gesundheitszentrums kostet etwa 36 000 Euro; 27 000 Euro (75 Prozent) bezahlt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit aus Steuermitteln. Dafür wird ein etwa 50 Quadratmeter großer Schlichtbau mit überdachter Terrasse errichtet, der in sechs Räume aufgeteilt wird: zwei Krankenzimmer, ein Entbindungszimmer, ein Sprechzimmer, ein Büro und eine Apotheke.
Das Personal besteht aus einer Krankenschwester, die gleichzeitig auch als Hebamme arbeitet, und einem Apotheker, der halbtags beschäftigt ist. Sie finanzieren sich durch die Gebühren, die sie von den Patienten erheben. Eine Krankenversicherung gibt es in Mali nicht.
Weitere 7000 Euro investiert die „Brücke“ in Kleinprojekte für Darsalam – vom Schulgarten über eine Nähwerkstatt bis zu zwei neuen Brunnenpumpen. Das Gesundheitszentrum in Same-Plantation stammt aus weiteren Spenden für die „Brücke“.
Als nächstes Projekt planen die Mali-Freunde eine Schule in dem Dorf Kersignané, das sich Dirichs und seine Begleiter bei ihrem zweiwöchigen Aufenthalt ebenfalls ansehen.
