NORDENHAM - Der Regen fällt nicht, er stürzt herab auf die Dörfer in Mali während der dreimonatigen Regenzeit. An den Bau von Schulen und Gesundheitszentren ist während dieser Periode nicht zu denken, viele Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten. Die Menschen arbeiten dann auf den Feldern, bestellen ihre Äcker.

Die Regenzeit nutzt Bandiougou Nikaté jedes Jahr, um seine Partner in Westeuropa – wie die „Brücke Nordenham-Kayes“ – über die Fortschritte der unterschiedlichen Hilfsprojekte in seinem Heimatland zu informieren. Der 47-Jährige ist Direktor der nichtstaatlichen Entwicklungsorganisation „Solidarité pour le Sahel“ (Solisa), unter deren Oberaufsicht Schulen und Gesundheitszentren im ganzen Land gebaut werden (siehe Interview auf dieser Seite).

Die Organisation Solisa hat nicht nur mit den Unbilden des Wetters und Finanzierungssorgen zu kämpfen. So erfährt Peter Dirichs, der Nordenhamer Leiter des Projekts, dass der Bau einer Schule ins Stocken geraten ist. Der erforderliche Zement sei eine geraume Weile nicht zu beschaffen gewesen, erzählt Bandiougou Nikaté, der bis Sonntag in Nordenham verweilt. Weil Mali keinen Zement produziert, muss der Baustoff aus dem Senegal importiert werden. Große Mengen gingen indes an China und Südafrika, so dass die Region Kayes und das Schulbauprojekt das Nachsehen hatten. Mittlerweile ist der Engpass behoben.

Nach zwei Schulen und einem Gesundheitszentrum möchte die „Brücke Nordenham-Kayes“ nun ein drittes Schulgebäude in Kersignané für 200 bis 300 Kinder unterstützen, die zurzeit in einer Lehmhütte unterrichtet werden. Rund 10 000 Euro an Spendengeldern sind erforderlich. Das entspricht nach Auskunft von Peter Dirichs rund 25 Prozent der Baukosten. Den Löwenanteil trägt die Regierung.

Die Dorfbewohner werden beim Bau mit eingespannt. Eine entscheidende Rolle kommt dem Dorfchef zu: Er muss einverstanden sein und bestimmt den Platz für Schule oder Gesundheitszentrum. Ein Komitee sorgt für den reibungslosen Ablauf. Ist das Schulgebäude fertig, kommen die Lehrer. Die Schulzeit beträgt sechs Jahre, meistens werden zwei Klassen in einem Raum unterrichtet.

Die dörflichen Strukturen sind laut Peter Dirichs noch intakt, was die Arbeit erleichtert. Ein wichtiger Aspekt ist ihm auch der Bau von Gesundheitszentren. Neben einem kleinen Büro gibt es ein Behandlungs- und ein Entbindungszimmer sowie zwei Krankenräume und eine Apotheke. Sonnenkollektoren liefern wie bei den Schulgebäuden den Strom. Die Stromerzeugung ist ein wichtiger Aspekt: Die Energie treibt einen Kühlschrank an. Damit ist gewährleistet, dass Medikamente und Seren beispielsweise für Kinderimpfungen gelagert werden können.

Die Analphabetenrate beträgt bis zu 80 Prozent

Das Land mit der Hauptstadt Bamako misst 1,24 Millionen Quadratkilometer und ist damit 3,4 Mal so groß wie Deutschland. Rund zwölf Millionen Einwohner (Deutschland: 82 Millionen) leben in dem westafrikanischen Land.

Die Amtssprache in Mali ist Französisch, daneben gibt es Arabisch und viele Stammessprachen. 90 Prozent der Bevölkerung ist islamisch. Die Analphabetenrate beträgt bis zu 80 Prozent.