NORDENHAM - Zu jedem großen Fußballereignis sind sie erhältlich, die beliebten Sammelbilder von Panini. Von ihrem Reiz scheinen die Aufkleber nichts verloren zu haben, denn damals wie heute sammeln viele Kinder fleißig mit dem Ziel, am Ende ein ganzes Heft zu bestücken. 535 Bilder benötigt man für das aktuelle EM-Album. Panini-Bilder sammeln ist also ein Hobby, dessen Kosten sich für die Jüngsten nur durch Tauschen der doppelten Bilder im Rahmen halten lassen.
Aber gerade dieser Akt des Tauschens ist einigen Grundschulleitern in Baden-Württemberg und Hamburg ein Dorn im Auge. Um Streit zwischen den Schülern zu vermeiden, ist das Mitbringen der Klebebildchen in die Schule generell untersagt.
Die Grundschulen in Nordenham sehen keinen Handlungsbedarf. „Bei uns an der Schule wird nicht viel gesammelt und getauscht“, sagt Alfred Fehrens, Schulleiter der Grundschule Friedrich-August-Hütte. Bei aufkommenden Problemen würde die Schule auch reagieren, so der Pädagoge.
Ähnlich sieht es Marion Böcker-Philipp von der Grundschule Atens. „Die Kinder können ihre Hefte mitbringen. Wir arbeiten sogar im Sachunterricht damit“, berichtet die Lehrerin. An ihrer Schule stehen neben den Panini-Bildern auch ähnliche Aufkleber aus Schokoriegeln und Haselnusstafeln hoch im Kurs. In den Pausen darf getauscht werden, um die Bilder zu spielen, ist verboten. Die Schule hat bei anderer Gelegenheit bereits hart durchgreifen müssen. „Wir hatten mit den teuren Yu-Gi-Oh-Karten große Probleme“, sagt Marion Böcker-Philipp, „da haben die älteren Schüler die jüngeren teilweise abgezockt.“ Die Manga-Sammelkarten sind seitdem an der Schule verboten.
Besonders viele begeisterte Panini-Fans gibt es an der Grundschule Einswarden. Dort sammelt jedes dritte oder vierte Kind, schätzt Schulsozialpsychologe Helmut Dinklage. „Es gibt kein generelles Verbot an unserer Schule“, sagt er, „allerdings müssen die Bedingungen stimmen.“ Auch die Grundschule Einswarden kennt die Problematik durch die Yu-Gi-Oh-Karten und hat das Spielen um die Fußball-Aufkleber verboten. „Die Regeln sind klar. Wenn Probleme aufkommen, greifen wir auch durch“, sagt Helmut Dinklage. „Dann werden die Karten zur Not für ein paar Tage eingesammelt.“ Die Schüler halten sich an die Vorschriften und tauschen ihre Aufkleber zumeist nach der Schule.
Ali Gülcü und sein bester Freund Fynn Stahl aus der Einswarder Grundschule sammeln gemeinsam. Ihnen fehlen nur noch 68 Karten, bis ihr Album voll ist. Besonders stolz sind die beiden Zehnjährigen auf ihre Aufkleber von Cristiano Ronaldo. „Das ist der beste Spieler und die beste Karte“, sagt Ali.
Eine Quelle für die begehrten Sammelbilder ist der Kiosk Einswarder Eck. „Seitdem die Europameisterschaft begonnen hat, verkaufen wir teilweise bis zu hundert Päckchen in ein bis zwei Tagen“, berichtet Diana Reuter, Verkäuferin im Kiosk. Die Kinder sind die besten Kunden, wenn es um die Panini-Aufkleber geht. Oft hieße es aber auch „Mama, gib mal“, sagt Diana Reuter.
Auch in der Nordenhamer Innenstadt verkaufen sich die Päckchen mit den Sammelbildern gut. Im Tabakwarengeschäft in der Fußgängerzone werden knapp 200 Päckchen in der Woche verkauft. Neben Kindern kommen auch viele Erwachsene. „Wir hatten auch schon Omas, die Bilder gekauft haben, um sie ihren Enkeln per Post zu schicken“, berichtet Filialleiterin Christa Otholt.
Nicht ganz so gut läuft es im Buchladen Töllner an der Bahnhofstraße. Inhaberin Tanja Ehmen verkauft die Sets, die statt 5 Bildern 44 beinhalten. Offensichtlich wollen die Sammler ihre Ware aber nur in kleinen Häppchen erwerben. Dabei hat diese Variante einen entscheidenden Vorteil: Einige Bilder sind in durchsichtige Folie eingepackt. Der Käufer kann somit gezielt die Aufkleber auswählen, die in seinem Album noch fehlen.
