NORDENHAM - NORDENHAM/ULS/FIL - Der Stichtag für die Schulen rückt immer näher: Bis zum 12. Dezember sollen im Kultusministerium die Ergebnisse des landesweiten Fitnesstests vorliegen, dem sich rund 750 000 Schüler an 3200 Schulen in Niedersachsen unterziehen müssen. Wenngleich die Kritik an dem vom Ministerium verordneten Bewegungs-Check lauter wird, halten sich die Schulen in Nordenham an die Richtlinien. Die Umsetzung des Erlasses ist Pflicht.
Als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Nordenhamer Grundschulleiter betont Hendrik Voß, dass der Zeitaufwand sehr viel höher sei als vom Ministerium mit etwa zwei Unterrichtsstunden pro Klasse angekündigt. Nach den Erkenntnissen der Grundschulleiter lasse sich der Test nur mit Hilfe von Eltern und pädagogischen Mitarbeiten umsetzen. Die verantwortlichen Lehrer könnten die Tests nicht alleine in dem vorgegebenen Zeitrahmen vornehmen. Viel Zeit gehe schon bei der Vorbereitung und bei dem Aufbau der Stationen verloren. Besonders betroffen seien Schulen, die keine eigene Sporthalle haben.
Die Grundschulleiter bemängeln vor allem die Übungen, die für die Klassen 1 bis 10 einheitlich sind. Die altersmäßige körperliche Entwicklung der Schüler werde nicht berücksichtigt. Mithin seien manche Übungen für Grundschüler nicht erfolgreich zu leisten mit der Folge, dass viele von ihnen frustriert seien und keinen Sinn in sportlichen Aktiven erkennen. Auch seien die Übungen veraltet. Aufwand und Nutzen des Fitnesstests stehen nach den Aussagen der Grundschulleiter in einem „krassen Missverständnis“.
Weil die komplette Eingabe und Erfassung der Schülerdaten auch mit Hilfe einer speziellen Eingabesoftware sehr aufwändig sei und viel Arbeitszeit binde, hat die Realschule I aus personellen Gründen auf die Eingabe verzichtet und die von Hand ausgefüllten Bögen nach Hannover geschickt, sagt Schulleiter Walther Vogel. Rund 460 Realschüler haben den Test absolviert. Proteste der Eltern blieben laut Vogel aus.
Auch am Luisenhof-Schulzentrum gab es von Seiten der Eltern keine Widerstände. „Wir führen den Test durch“, sagt Realschullleiter Wolfgang Battenberg. Es habe wenig Sinn, sich dagegen zu wenden und unnötig Energie zu vergeuden. Auf positive Aspekte des Tests weist Hartmut Schellstede hin. Die körperliche Fitness der Kinder und Jugendlichen könne verbessert werden, merkt der Vorsitzende des Stadtelternrats an. Er sieht keinen Grund für einen Protest.
Am Nordenhamer Gymnasiums wird die Kritik an dem Leistungstest zwar offen ausgesprochen. Doch an der Pflicht, die Vorgabe aus Hannover zu erfüllen, bestehen keine Zweifel. „Es gibt bei uns keine glühenden Verfechter dieser Erhebung“, sagt Schulleiter Klaus-Dieter Laske, „aber wir können ja keinen ministeriellen Erlass außer Kraft setzen.“ Die Sportlehrer am Gymnasium bemängeln vor allem, dass die Übungen nicht altersgerecht gestaltet sind, und stellen den Sinn einer Vollerhebung in Frage. Zudem gibt es Bedenken, ob die ermittelten Daten tatsächlich vor einer Zweckentfremdung sicher sind. Hinzu kommt die Mehrarbeit die laut Laske jetzt zu einem „äußerst ungünstigen Zeitpunkt“ bewältigt werden muss. In diesem Zusammenhang bedauert er es, dass 1995 die Zahl der Sportstunden in der Woche von drei auf zwei gekürzt wurde.
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