NORDENHAM - Am Ende der Vorlesung durften die Kiwi-Kinder DNA mit nach Hause nehmen. Sie hatten die Desoxyribonukleinsäure, also jene kleinen Fäden, die den Bauplan eines Lebewesens bestimmen, aus einer Tomate gewonnen. Das Gemüse wurde ordentlich durchgematscht. Salz, Spülmittel, ein paar Tropfen Alkohol, ein Plastikröhrchen und eine Filtertüte – mehr brauchten die kleinen Forscher nicht für dieses spannende Experiment.
Baupläne der Lebewesen
Christina Cordes und Désirée Seehafer sprangen am Donnerstag für ihren Chef, Professor Carsten Harms vom Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven ein. Die Biologinnen entführten ihr junges Publikum in der Vorlesung der Reihe „Kinder wissen mehr“ (Kiwi) in die Welt der Genetik. 45 Jungen und Mädchen ließen sich gerne entführen, obwohl es im Großen Hörsaal des Gymnasiums gelegentlich auch recht laut zuging. Kein Wunder: Schließlich hatten die beiden Wissenschaftlerinnen jede Menge Legosteine mitgebracht. Mit Vererbung haben die Plastikbauklötze eigentlich nichts zu tun. Aber sie eignen sich wunderbar, um zu verdeutlichen, wie die Erbinformationen von Lebewesen in der DNA abgelegt sind. Die Kinder bekamen die Aufgabe, aus verschiedenfarbigen Steinen einen Turm zu bauen. Als sie fertig waren, wurde deutlich, wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt. Die Zusammensetzung der Bausteine macht den Turm einzigartig. So wie jeder Mensch einzigartig ist, weil er einen ganz individuellen Bauplan hat.
100 Billionen Zellen
Diese Baupläne befinden sich in jeder einzelnen Zelle. Wie Christina Cordes erklärte, besitzt ein erwachsener Mensch etwa 100 Billionen Zellen (das ist eine Eins mit 14 Nullen). Aneinandergereiht würden diese Zellen vier Millionen Kilometer weit reichen. Man könnte mit ihnen etwa 100 Mal die Erde umspannen. Und in jeder einzelnen Zelle wiederum befindet sich DNA, die etwa zwei Meter lang ist.
Warum sehe ich meinen Eltern so ähnlich? Auch dieser Frage ging Christina Cordes gemeinsam mit den Kiwi-Studenten auf den Grund. Sie erklärte ihnen, dass Mama und Papa ihre Erbinformationen an die Kinder weitergeben. Manchmal aber handelt es sich dabei um Informationen, die von den Eltern gar nicht genutzt wurden. So ist zu erklären, dass ein Kind blonde Haare hat, obwohl beide Elternteile schwarzhaarig sind. Die blonden Haare können zum Beispiel vom Opa stammen. Ein besonders findiger Kiwi-Student warf die Frage auf: „Was ist, wenn mein Papa überhaupt keine Haare hat?“
Besonders spannend war für die Jungen und Mädchen die Verbrecherjagd nach einem Bankraub in „Südenham“. Zwei schusselige Verbrecher, die in der Schule nicht aufgepasst hatten, haben dabei Blut und eine Zigarette hinterlassen. Den jungen Kriminalisten fiel es nicht schwer, anhand der genetischen Fingerabdrücke, die Bankräuber zu überführen.
