NORDENHAM - Selektive Wahrnehmung, Konzentration und eine klare Aufgabenstellung verhelfen zum Erfolg bei Schülern, die an einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung leiden (ADS oder ADHS). Und: Ohne Motivation lernt der Mensch nicht. Das ist nach Angaben der Lehrerin Doris Hölzel während eines Informationsabends in der Aula des Gymnasiums Nordenham deutlich geworden.

Schulleiter Klaus-Dieter Laske begrüßte die Gäste. Informiert wurde auch über Handlungsmöglichkeiten im Unterricht und eine Arbeitsgemeinschaft an der Schule, die im August starten soll. Neben Doris Hölzel arbeiteten die Schüler Marc Onken und Maximilian Schmid mit.

Die Zuhörer erfuhren, dass zum Beispiel Michael Jordan, Whoopi Goldberg und Winston Churchill betroffen waren oder sind und ADHS keineswegs nur als Handicap verstehen. Wenn Lehrer und Schüler Unterschiede als solche akzeptieren und nicht bewerten, könne eventuell eine sehr positive Entwicklung einsetzen.

Der Regionalgruppenleiter der seit 15 Jahren bestehenden Selbsthilfegruppe, Thomas Martinsen, stellte Stärken von Menschen heraus, die an ADHS erkrankt sind. Hilfsbereitschaft, Schlagfertigkeit, das berühmte Elefantengedächtnis und die hohe Ausdauer bei für sie angenehmen Aktivitäten ließen für einen Moment Schwächen vergessen, die im Alltag häufig durch Unwissenheit oder falsches Handeln und Vorurteile verstärkt würden.

Glücklich schätzen könne sich ein Kind, das an einen Experten gerate, der helfen wolle und aus dem Störungsbild klare Regeln und Ziele ableiten könne, sich als Team-Coach verstehe. „Dazu bedarf es eines Umdenkens in der Politik, der Gesellschaft und in der Lehrer- und Erzieher-Ausbildung“, meint Doris Hölzel.

Thomas Martinsen bestätigte aus eigener Erfahrung die Empfehlung, dass neben Lehrern auch betroffene Eltern eines Trainings bedürfen, um die aufgewendete Energie zu bündeln. Große Anerkennung müsse jeder den Eltern zollen, die sich liebevoll und sehr ausdauernd um ihre Kinder kümmern.