Nordenham - Was tun nach dem Abi? Diese Frage beschäftigt viele Schüler. Ab dem zehnten Jahrgang gewinnt sie immer mehr an Bedeutung. Um den Pennälern Orientierung auf dem Markt der Möglichkeiten zu geben, findet alljährlich im Nordenhamer Gymnasium eine Studien- und Berufsinfomesse statt. Am Dienstagvormittag buhlen einmal mehr Arbeitgeber sowie Hochschulen und Universitäten in der Schulstraße um den Nachwuchs. An insgesamt 35 Ständen gibt es stapelweise Hochglanzbroschüren, wird informiert und nachgefragt. Und vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels legen sich die Anbieter immer mehr ins Zeug, um vor dem dringend benötigten Nachwuchs interessant, jung und modern zu erscheinen.
Zum siebten Mal lag die Organisation der Messe, zu der auch Vorträge gehören, in den Händen von Sebastian Wegener. Der kommissarische Schulleiter freut sich, dass auch diesmal einige neue Teilnehmer dabei sind. Der Mix aus Universitäten und Hochschulen, großen Arbeitgebern und kleineren Betrieben aus der Region hat sich bewährt. „Wir haben hier eine bunte Mischung. Da müsste für jeden etwas dabei sein“, sagt Sebastian Wegener.
Erstmals hatte er anlässlich der Messe zu einem Elternabend eingeladen. Der hat bereits am Montagabend stattgefunden. „Wir wollen die Eltern mehr einbeziehen, weil sie bei der Berufsfindung ihrer Kinder natürlich eine wichtige Rolle spielen.“ Der Austausch mit Eltern und Schülern hat für den kommissarischen Schulleiter eine wichtige Erkenntnis gebracht: Viele Schüler haben auch kurz vor dem Abi noch keine Vorstellung davon, in welche Richtung es beruflich gehen soll. Das hängt auch damit zusammen, dass durch das Abitur nach zwölf Jahren die Entscheidungsfindung vorverlegt wurde. Vor diesem Hintergrund gewinnen Angebote an Bedeutung, die den Schülern die Möglichkeit bieten, den Start ins Studium oder in die Ausbildung hinauszuzögern und die Zeit dennoch sinnvoll zu nutzen. Und so gewinnen Au-Pair-Stellen, ein Freiwilliges Soziales Jahr oder der Bundesfreiwilligendienst immer mehr an Bedeutung.
Und sie helfen bei der Orientierung. So sieht es jedenfalls Lukas Handelshauser. Der 18-Jährige aus Brake absolviert seinen Bundesfreiwilligendienst bei der Lebenshilfe Wesermarsch. Gemeinsam mit Claudia Funk, die in dem Verein Leiterin Zentrale Dienste ist, stellt er die Einsatzmöglichkeiten vor und erklärt interessierten Schülern, warum ihm die Arbeit mit behinderten Kindern so viel Spaß macht.
Zu den großen Unternehmen, die sich bei der Messe präsentieren, gehört Lidl. Nach den Wortern von Jana Kaemena, die als Sachbearbeiterin in der Personalabteilung tätig ist, bietet Lidl neben einer klassischen Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel auch das so genannten Abiturprogramm. Absolventen können dabei schon nach drei Jahren eine eigene Filiale leiten. Auch ein Duales Studium ist bei Lidl möglich.
Nach den Worten von Sebastian Wegener steht das Duale Studium bei vielen Schülern hoch im Kurs. Ebenfalls sehr beliebt seien Ausbildungen bei der Bank und beim Finanzamt. Auch das Interesse am Lehramtsstudium sei groß.
Da hat es die Nordenhamer Zinkhütte – zumindest im Gymnasium – etwas schwerer. Das Unternehmen bildet Chemikanten, Industriemechaniker und Elektroniker aus. Ausbilder Ralf Peltzer weiß aber, dass es Gymnasiasten gibt, die keine Lust haben, bis zum Abitur durchzuziehen. Ein Paradebeispiel ist Jasmin Fruhner. Sie ist in der Zinkhütte im zweiten Lehrjahr zur Chemikanten. Nach der elften Klasse ist sie vom Nordenhamer Gymnasium abgegangen und hat diese Entscheidung nicht bereut. „Die Ausbildung in der Zinkhütte ist sehr vielseitig. Man durchläuft hier alle Abteilungen und darf auch schon früh selbstständig arbeiten“, sagt die 18-Jährige.
