NORDENHAM - Schüler während des Unterrichts abzulenken, ist eigentlich nicht die feine Art. Schon gar nicht, wenn es sich um Schüler handelt, die mit solchen Ablenkungen schlechter umgehen können als andere. In der Arbeitsgemeinschaft ADHS am Nordenhamer Gymnasium werden solche Situationen ganz bewusst herbeigeführt und dadurch trainiert. Ziel ist es, die Konzentration auf das Wesentliche beizubehalten, wie die AG-Leiterin Doris Hölzel erklärt.
Mit vier Schülern ist die Arbeitsgemeinschaft ADHS am Nordenhamer Gymnasium nach den Sommerferien an den Start gegangen. Inzwischen gehören ihr acht Schüler an. Gemeinsam mit dem 19-jährigen Marc Onken aus der Oberstufe versucht Doris Hölzel, den Kindern und Jugendlichen zu helfen. Bei den meisten von ihnen ist ein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom festgestellt worden, einige habe große Konzentrationsprobleme, ohne eine ADHS-Diagnose vorweisen zu kennen.
In der AG, die einmal in der Woche stattfindet, arbeitet Doris Hölzel mit akustischen und visuellen Reizen. Immer wieder müssen die Schüler – sie kommen aus den Klassen 5, 6 und 7 – mit diesen Ablenkungsmanövern umgehen. „Sie müssen lernen, zwischen dem Wichtigen und dem Unwichtigen zu unterscheiden“, sagt Doris Hölzel. Ein weiteres Ziel ist es, die Aufmerksamkeitsspannen der Schüler zu verlängern. Eine Fähigkeit, die für den Schulerfolg von großer Bedeutung ist. Nach den Worten von Doris Hölzel, die nebenberuflich als Heilpraktikerin für Psychotherapie arbeitet, haben sich bereits erste Erfolge eingestellt.
Beim Training in der ADHS-AG spielt das Punktesystem eine große Rolle. Wer die gestellten Aufgaben meistert, wird mit Punkten belohnt. Abzüge gibts bei unerwünschtem Verhalten, zum Beispiel Dazwischenreden. Ihre Punktekarten bekommen die Schüler mit nach Hause. Die Eltern belohnen das Erreichen bestimmter Punktzahlen, indem sie ihren Kindern einen Wunsch erfüllen. Das kann zum Beispiel ein Kinobesuch mit dem Vater sein.
Wie Doris Hölzel mitteilt, läuft die Arbeitsgemeinschaft noch bis Ende des Schuljahres. Bei Bedarf sei ein neues Angebot für Schüler mit ADHS möglich.
Zwischenzeitlich hat die Lehrerin ein weiteres Projekt begonnen. Dabei geht es um Lese-Rechtschreib-Schwäche und Legasthenie. Nach den Worten von Doris Hölzel leiden zwei bis sechs Prozent aller Kinder unter Legasthenie. Bei dieser genetisch bedingten Störung werden die Reize beim Lesen und Schreiben im Gehirn nicht richtig verarbeitet. Von der Schulbehörde hat die Lehrerin das Okay bekommen, dass sie eine Förderung für Kinder mit Legasthenie anbieten darf. Zurzeit betreue sie ein Kind, sagt Doris Hölzel.
