NORDENHAM - Der Notstand in der Unterrichtsversorgung sei nicht hausgemacht, betont Laske. Die Ursache liege in der zu dünnen Personaldecke.
von norbert hartfil
NORDENHAM - Mit der Unterrichtsversorgung am Gymnasium Nordenham steht es zurzeit nicht zum Besten. Schulleiter Klaus-Dieter Laske bekräftigte die Mangelsituation, die der CDU-Landtagsabgeordnete Björn Thümler in der vergangenen Woche in einer Pressemitteilung angezweifelt hatte (die NWZ berichtete). Laske hält mit seinem Befremden über die „Art und Weise“, mit der Thümler sich in die Angelegenheit eingeschaltet hatte, nicht hinterm Berg. Vor allem die Andeutung des Landtagspolitikers, dass die lückenhafte Unterrichtsversorgung am Gymnasium ein hausgemachtes Problem der Schulleitung sei, ärgert den Rektor.Laut Laske müsse zwischen der amtlich ermittelten und der „gefühlten“ Unterrichtsversorgung unterschieden werden. Nach den Statistik-Kriterien der Aufsichtsbehörde, die in einigen Punkten von den Berechnungen der Schulleitung etwas abweichen, liegt die aktuelle Unterrichtsversorgung am Gymnasium Nordenham bei 97,5 Prozent. Während der Fördervereinsversammlung Ende Februar, in der die Unterrichtsausfälle ein Thema waren, hatte Laske von 97,4 Prozent gesprochen. „Der Unterschied ist nicht erheblich“, betont der Schulleiter mit Blick auf Thümlers anderslautende Darstellung.
Mehr ins Gewicht falle der Ist-Zustand mit zehn kranken Lehrern, der die „gefühlte“ Unterrichtsversorgung auf 90 Prozent habe sacken lassen. Thümlers Empfehlung, in solchen Notsituationen „Feuerwehrlehrer“ zu beantragen, laufe ins Leere. Denn eine Ersatzkraft werde nur bewilligt, wenn ein Lehrer für mindestens sechs Wochen krankgeschrieben sei.
Auch Thümlers Aussage, die Schulleitung könne auf Poolstunden zurückgreifen, weist Laske zurück. Die Poolstunden seien nicht etwa eine frei verfügbare Reserve, stellt der Schulleiter klar, sondern ein fest verplanter Bestandteil des Schulstundengrundbedarfs.
In diesem Zusammenhang weist der stellvertretende Personalratsvorsitzende Gernot Ihnen darauf hin, dass am Gymnasium Nordenham das Kollegium ein Durchschnittsalter von etwa 55 Jahren habe. Entsprechend komme es dort häufiger zu Krankheitsausfällen als an Schulen mit einem jüngeren Lehrerstamm.
Die vom Kultusministerium ermittelte Unterrichtsversorgung von 97,5 Prozent treffe nur zur, wenn alle 62 Lehrer an Bord seien. Und selbst dann, so Schulleiter Laske, bestehe noch eine Unterversorgung von 30,76 Stunden. „Das sind anderthalb Lehrerstellen, die uns fehlen.“ Auch bei dem Landesdurchschnitt von 98,1 Prozent, auf den der Abgeordnete Thümler verwies, werde ein Defizit an Lehrerstunden zugrundegelegt. Daher sei Thümlers Vorwurf, das Nordenhamer Gymnasium habe selbst Schuld an den Fehlstunden, „eine Beschädigung des Schulleiters“.
Der Lehrermangel wirkt sich am Gymnasium in Unterrichtskürzungen vor allem in den Fächern Kunst, Werte und Normen und Religion aus. Zudem wurde das Angebot an Arbeitsgemeinschaften zusammengestrichen.
