NORDENHAM - 1969 kamen sie erstmals nach Nordenham. Der Kontakt kam über Diether Steinke zustande.

von henning

bielefeld

NORDENHAM - Es war im Sommer 1969, etwa zur Zeit der Mondlandung, als Marilyn und Gary Maas erstmals Nordenhamer Boden betraten. Ähnlich wie Neil Armstrong dachten sie, dass dies für sie nur ein kleiner Schritt sei. Dabei war es der Beginn eines erfüllten Lebens.

Dr. Gary Maas ist jetzt, nach 34 Jahren als Lehrer für Deutsch, Mathematik sowie Werte und Normen am Gymnasium, in den Ruhestand getreten. Seine Frau ist schon seit einem Jahr Rentnerin.

Dass sie überhaupt nach Nordenham gekommen sind, haben sie Diether Steinke zu verdanken – oder vielleicht doch eher seinem Halbbruder Georg Sanden, der ihr Trauzeuge war. Damals studierte Gary Maas in Boulder/Colorado, Marilyn war dort Geschichtslehrerin.

Der Name Maas verrät es schon: Die Vorfahren des Pädagogen stammen aus Deutschland, genauer: aus Tweelbäke bei Oldenburg. Deshalb entschied sich der 1942 im Elm-Creek-Tal in Nebraska geborene Bauernsohn dafür, Deutsch zu studieren, als seine Universität von ihm verlangte, eine Fremdsprache zu belegen. Eigentlich wollte er nur Mathematik und Chemie studieren. „Und ich durfte – die anderen haben nur gestöhnt – Altisländisch, Althochdeutsch und Mittelhochdeutsch lernen“, sagt Gary Maas in dem für ihn typischen fast unwirklich korrekten Deutsch. Und plötzlich fand er es „unheimlich faszinierend, wie Sprachen funktionieren.“

Gary Maas vergaß die Chemie, ging 1963 für einen Sommer nach München, und bekam dank seiner exzellenten Leistungen ein Stipendium für die Elite-Universität in Boulder, deren Studiengebühren seine Eltern niemals hätten bezahlen können. Dort lehrten als Gäste Marcel Reich-Ranicki, Günter Grass und Walter Kempowski – und er lernte die aus Oklahoma City stammende Marilyn kennen.

Für die Studenten war ein zweijähriger Auslandsaufenthalt obligatorisch, und Georg Sanden machte das junge Ehepaar auf das Gymnasium Nordenham aufmerksam, das dringend Lehrkräfte suche. Gary Maas schrieb an Diether Steinke – und bekam bald Antwort von Direktor Johannes Odinga. „Wir sind hier adoptiert worden“, sagt Marilyn Maas. Nicht nur die Steinkes, auch die Lührs‘, die Gaedes und Ingrid Ochs nahmen sich der beiden an. „Sie haben uns jeden Weg geebnet“, sagt Gary Maas dankbar.

1971 ging‘s zurück in die USA. Gary Maas schlug die Möglichkeit aus, in Harvard Mathematik zu studieren („Mein Vater war entsetzt“) und entschied sich für ein Doktorstudium mit den Schwerpunkten Philologie, Philosophie und Literaturwissenschaften in Boulder. 1974 kamen sie nach Nordenham zurück – für immer.

„Am Gymnasium Nordenham zu unterrichten, ist ein Paradies“, sagt Gary Maas. „Man muss fast alles falsch machen, um dort ein Problem zu bekommen.“ Die beiden blieben amerikanische Staatsbürger, aber ihre Kinder erhielten deutsche Namen: Christel, Johannes und Daniel. Beide wurden Lehrer im Angestelltenverhältnis und stiegen dabei immer weiter auf. Gary wurde Leiter der Fachgruppe Deutsch, Marilyn leitete die Fachgruppe Englisch. Von 1982 bis 1992 studierte Gary Maas nebenbei an der Fernuniversität Hagen Psychologie und Erziehungswissenschaften.

Bei Schülern und Eltern waren beide hoch angesehen. Gary Maas wurde dank seiner unnachahmlichen Mischung aus Korrektheit, Gerechtigkeitssinn, eiserner Selbstdisziplin und einem tiefen Sinn für Humor zu einer Nordenhamer Legende.

Und jetzt? Der Neu-Rentner Gary Maas zeigt auf die Bücherwand im Wohnzimmer: „Die stehen nicht nur so da.“ Und überhaupt: „Meine Frau hat in ihrem Ruhestand noch nicht einen langweiligen Tag gehabt. Und so wird es mir auch gehen.“