NORDENHAM - Vorsichtig tritt Selina Alas auf das Pedal, und schon rattert die Nadel über den Stoff hinweg. Zum ersten Mal bedient die Zwölfjährige eine Nähmaschine. „Das ist gar nicht so schwierig, wie ich gedacht hatte“, erzählt Selina. Ein Herz aus Stoff will sie nähen und ihrer jüngeren Schwester schenken. Feinmotorik ist gefragt. Für Selina kein Problem. Auch die anderen Mädchen, die am Mittwoch in die Stadtbücherei gekommen sind, stellen sich ziemlich geschickt an.
16 Mädchen dabei
Die Stadtbücherei hatte die Mitglieder des Julius-Clubs zum Nähkursus eingeladen. 16 Mädchen kamen. Wie die stellvertretende Bücherei-Leiterin Ulrike Schönherr mitteilt, ist die Idee zu dem Nähkursus nach der Lektüre eines Buches entstanden. In der Geschichte „Wie Zuckerwatte mit Silberfäden“ geht es um Mädchen, die die Mode für sich entdecken. Ulrike Schönherr heuerte Minke Fluitman aus Elsfleth für den Kurs an. Die Nähmaschinen lieh sie sich bei der Kreisvolkshochschule aus. Und so konnten die Mädchen loslegen. Jungs hatten sich nicht für das Angebot angemeldet.
Während Selina Alas und Michelle Laarmann kleine Herzen nähen, schneidet sich Katharina Pfaffenrot den Stoff für einen Buchumschlag zurecht. Andere Mädchen nähen sich Handytaschen. Nur fünf von ihnen haben schon einmal an einer Nähmaschine gesessen. Für alle anderen ist es die Premiere.
Minke Fluitman hat alle Hände voll zu tun. Sie gibt ihr Wissen gerne weiter. Sie hat bereits einen Kursus für Landfrauen angeboten. Außerdem gehört sie dem Nähclub „Die Nadelhexen“ an. Mit junge Mädchen hatte sie bisher noch nicht zu tun. Aber die Aufgabe macht ihr Spaß. „Es geht mir darum, Interesse am Nähen zu wecken.“
Früher selbstverständlich
Früher sei es selbstverständlich gewesen, dass Mädchen von ihren Müttern oder in der Schule das Nähen lernten. Das ist heute nicht mehr so. Dabei ist Nähen nicht nur ein nützliches Handwerk, sondern erfüllt auch einen therapeutischen Zweck – zumindest für Minke Fluitman. „Da bekommt man so richtig den Kopf frei“, sagt die Elsfletherin.
Der Kursus ist eine von mehreren Aktionen für die Julius-Club-Teilnehmer. 140 Kinder im Alter von 11 bis 14 Jahren hatten sich für diesen Sommerleseclub angemeldet, berichtet Ulrike Schönherr: ein Drittel Jungs, zwei Drittel Mädchen. In erster Linie geht es darum, dass sie Bücher lesen und diese bewerten. „Und das haben sie auch schon fleißig getan“, freut sich die stellvertretende Büchereileiterin. Darüber hinaus gibt es jede Woche ein zusätzliches Angebot. Am nächsten Mittwoch zum Beispiel steht Erste Hilfe auf dem Programm.
