NORDENHAM - Die Villa Kunterbunt ist ab 1. Oktober keine private Großpflegestelle mehr, sondern eine öffentliche Kindertagesstätte, die von einem Verein getragen wird. Damit reagiert die Gründerin Kerstin Deutzmann auf das Recht auf einen Krippenplatz, das Eltern von Ein- bis Dreijährigen ab 2013 zusteht. Wegen dieser neuen Situation hatte der Landkreis seine Zuschussregeln verändert.
Auf diese Weise wird die Villa Kunterbunt Bestandteil des städtischen Angebots an Krippenplätzen. Sie wird auch weiterhin zehn Plätze anbieten. Bisher bietet die Stadt jeweils 15 Krippenplätze in den städtischen Kindergärten Einswarden und Blexen an; dazu kommen altersgemischte Gruppen in den städtischen Kindergärten Abbehausen, Esenshamm und Phiesewarden, erläutert Jens Freese, der Leiter des Amtes für Bildung und Freizeit im Rathaus.
Zwei weitere Krippen
Dazu kommen vermutlich 30 weitere Plätze in der Innenstadt: 15 ab Mitte 2011 im katholischen Kindergarten St. Willehad und weitere 15 im städtischen Kindergarten Mitte an der Wesermarsch-Klinik vermutlich ab Mitte 2012. Beide Einrichtungen planen Erweiterungsbauten. Die ursprünglich geplante Krippe am evangelischen Kindergarten Oststraße kommt nicht zustande, weil die Landeskirche nichts dazubezahlen wollte.
Wenn 2013 der Rechtsanspruch auf Krippenplätze in Kraft tritt, darf der Landkreis Großpflegestellen nur noch für nachrangige Betreuungszeiten bezuschussen – also etwa am frühen Morgen und am späten Nachmittag. Zudem wird von allen Kräften in einer Pflegestelle, auch den Aushilfen, die nur wenige Stunden im Jahr kommen, erwartet, dass sie die 260-stündige Weiterbildung zur qualifizierten Tagesmutter absolviert haben, erläutert Jens Freese weiter.
Das hat Kerstin Deutzmann zu ihrem Kurswechsel motiviert. Denn als Kleine Kindertagesstätte mit dem Status einer öffentlichen Einrichtung bekommt sie Zuschüsse wie jede andere öffentliche Krippe auch – etwa die von der Stadt, den Kirchen oder den Wohlfahrtsverbänden –, und außerdem müssen ihre beiden Aushilfen – darunter ihre Mutter Helga Müller, die schon von Anfang an dabei ist – keinen Tagesmutter-Kursus mehr besuchen.
Jens Freese erklärt, dass ein Verein als zuverlässiger gilt als ein privater Betreiber und deshalb als öffentliche Einrichtung anerkannt werden kann. Mitglieder des neuen eingetragenen Vereins „Kita Villa Kunterbunt“ sind die zehn Eltern, die ihre Kinder in der Villa Kunterbunt betreuen lassen, erläutert Kerstin Deutzmann. Für sie ist der Vereinsbeitrag mit den monatlichen Gebühren von 220 Euro – unabhängig vom Einkommen – abgedeckt. Die Gebühren bleiben unverändert. Aber auch Eltern von Kindern, die früher in der Villa waren, sind als fördernde Mitglieder willkommen. Vorsitzender ist Udo Deutzmann, der Ehemann der bisherigen Betreiberin.
Kerstin Deutzmann hat die Villa Kunterbunt 1997 als erste Kinderkrippe in Nordenham gegründet. Die heute 36-Jährige war damals nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin von Delmenhorst nach Nordenham gekommen und wollte nach der Geburt ihrer Tochter Kyra nicht drei Jahre warten, ehe sie wieder zu arbeiten anfängt. Deshalb gründete sie mit Unterstützung ihrer Mutter im ehemaligen Farbenlager des Malers Ohmstede an der Mecklenburgstraße 5 die Krippe. Zunächst wurde sie von vielen Seiten misstrauisch beäugt, wie sie erzählt. Doch inzwischen ist ihre Einrichtung allgemein anerkannt. Auf 70 Quadratmetern betreut sie mit ihrer Kollegin Rosa Petershagen – sie ist seit zehn Jahren dabei – und weiteren Helferinnen zehn Kinder.
Fast alle zum Gymnasium
„Einem Kind kann nichts Besseres passieren, als unter anderen Kindern aufzuwachsen“, sagt Kerstin Deutzmann. „Von den 108 Kindern, die hier waren, sind fast alle zum Gymnasium gekommen.“
Inzwischen gibt es zwei weitere private Kindertagesstätten: „Käpt‘n Blaubär“ an der Langen Straße in Blexen und „Die lütten Trolle“ beim CVJM-Sozialwerk Wesermarsch an der Werftstraße in Einswarden.
