Nordenham - Wer hätte das gewusst? Unter der Wasseroberfläche in der Antarktis leben mehr als 17 000 Tierarten in den unterschiedlichsten Größen und Farben, über die die Wissenschaft so gut wie nichts weiß. Dazu gehören zum Beispiel stachelige und mehrere Zentimeter große Flohkrebse, knallorange und tischtennisballgroße Muschelkrebse, 40 Zentimeter große rot-weiß gefärbte Spinnen und Flügelschnecken in Form von Engeln.
Beschwerliche Anreise
Diese und viele weitere spannende Informationen rund um die Tierwelt am Südpol vermittelte jetzt Dr. Christoph Held bei der letzten Vorlesung in diesem Jahr in der Reihe Kiwi („Kinder wissen mehr“).
Der Polarbiologe vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven hat schon mehrmals an Expeditionen teilgenommen, um das Leben der Meeresbewohner in der Eiseskälte zu erkunden.
Schon die Anreise mit dem Eisbrecher habe es in sich, erzählte der Wissenschaftler, der auch viele Fotos und Schaubilder zu der Vorlesung im Erdkunde-Hörsaal des Gymnasiums mitgebracht hatte. Denn der kälteste Kontinent, der seit knapp 60 Jahren dank des von 53 Staaten unterzeichneten Antarktisvertrags geschützt ist, hat es klimatisch in sich. Nicht nur aufgrund der eisigen Temperaturen und des vielen Meereises, sondern auch wegen der zahlreichen heftigen Stürme. Da kann die anderthalbtägige bis zwei Wochen dauernde Schiffstour von Südafrika, Südamerika oder Australien äußerst beschwerlich für die Forscher werden.
Fünf bis sechs Wochen dauern die Expeditionen mit etwa 50 wissenschaftlichen Mitarbeitern aus mehreren Ländern an Bord, die eine der Forschungsstationen in der Antarktis anlaufen. Meist stoßen sie hier in den Sommermonaten auf verschiedene Pinguin- und Walarten, Seelöwen und Seeelefanten. Zu den wenigen Ganzjahresbewohnern unter den Säugetieren zählt die Weddellrobbe.
Das wahrscheinlich bedeutsamste Glied im Nahrungsnetz des Südpolarmeeres ist der Antarktische Krill, eine Krebsart, die vier bis sechs Zentimeter groß wird und sich von Kieselalgen und Zooplankton ernährt. Er bildet für viele Lebewesen – zum Beispiel Fische, Vögel, Pinguine, Robben und Wale – die Nahrungsgrundlage. Derzeit sind die Forscher dabei, die Bedeutung der Asseln zu untersuchen, die nicht nur am Meeresboden, sondern auch direkt unterhalb des Schelfeises sitzen. „Möglicherweise haben wir bislang etwas ganz Wichtiges übersehen. Dieser Teil unserer Erde ist uns unbekannt“, verriet Christoph Held seinen rund 40 jungen Zuhörern. Infolge von Probenentnahmen und Kameraaufzeichnungen war es den Wissenschaftlern jetzt gelungen, die in Tiefe von 120 bis 140 Metern sitzenden Tiere nachzuweisen, die nicht viel zum Leben brauchen. Ein spannendes Forschungsergebnis, das neue Fragen aufwirft und weitere Expeditionsfahrten nach sich ziehen wird.
Im März geht’s weiter
Spannende Forschungsinhalte wird es für die jungen Kiwi-Studenten auch ab März nächsten Jahres geben. Denn dann geht es ins nächste Sommersemester. „Wir haben hier im Schnitt pro Vorlesung um die 40 bis 50 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren. Die Resonanz ist nach wie vor klasse“, freut sich Astrid Ripkens vom Verein Nordenham Marketing & Touristik. Die NMT-Mitarbeiterin stellt seit vielen Jahren das Programm zusammen und schafft es immer wieder, Referenten zu den unterschiedlichsten Themen zu gewinnen.
