NORDENHAM - Uwe Hänßler ist auch im Nachhinein noch ganz euphorisiert: „Es war super. super, super“, sagt er über die Typisierungsaktion am Sonnabend im Gymnasium. Exakt 1041 Bürger ließen sich fünf Milliliter Blut abnehmen, um Leukämiekranken Stammzellen spenden zu können – beispielsweise der 43-jährigen Nordenhamerin Marion Filzmoser.
„Es wäre natürlich ein riesiger Zufall, wenn ausgerechnet in Nordenham ein Stammzellen-Spender für Marion gefunden würde“, sagt Uwe Hänßler, der mit der Kranken befreundet ist. Aber sicher ist: Jeder, der sich typisieren lässt, erhöht die Aussichten von Marion Filzmoser, wieder gesund zu werden.
Schon eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn der Typisierung drängten sich die ersten Spender in der Schulstraße des Gymnasiums. Zum offiziellen Beginn um 10 Uhr war rund um den Schulkomplex kaum noch ein Parkplatz zu bekommen.
Geduldig füllten die Spender einen Fragebogen der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) mit persönlichen Daten aus, ließen sich vom Fachpersonal der Wesermarsch-Klinik Blut abnehmen und gaben das Röhrchen schließlich an einem weiteren Tisch ab, der wie zufällig vor der Mensa stand, die geöffnet hatte.
Der Organisator Uwe Hänßler von der Aktion „Hilfe für Marion und andere“ bot annähernd 70 freiwillige Helfer auf. Die Wesermarsch-Klinik hatte 3000 Röhrchen für die Blutproben mitgebracht. „In Nordenham sind in den vergangenen zehn Jahren etwa 2300 Bürger typisiert worden“, sagt Uwe Hänßler zu Beginn der Aktion. Als um 15.45 Uhr der tausendste Teilnehmer der Aktion sein Röhrchen abgab, war für Hänßler das Ziel des Tages erreicht.
Hänßler selbst hat sich 2000 bei der Aktion für Torben Esser typisieren lassen. 2008 spendete er Stammzellen für einen 37-jährigen Amerikaner, der Vater von fünf Kindern war. Doch das konnte dem Mann auch nicht helfen.
Denn auch eine Stammzellen-Spende ist keineswegs eine Überlebensgarantie, wie Ozan Demircan sagt. Aber sie ist oft die einzige Chance. Der Journalist, der im Kölner DKMS-Büro arbeitet, begleitet diese Aktion zusammen mit seiner Kollegin Marion Pronelies. In dieser Woche waren sie schon bei ähnlichen Aktionen in Gifhorn und in Düsseldorf.
Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Leukämie, sagt Ozan Demircan. Das sind mehr als 10 000 im Jahr. Weil die Ursachen weitgehend im Dunkeln liegen, ist Vorbeugung nicht möglich. Für 80 Prozent aller Patienten steht ein Spender zur Verfügung. Dabei müssen mindestens 8 von 10 Gewebemerkmalen mit insgesamt jeweils 3000 Ausprägungen übereinstimmen. Doch selbst wenn alle 10 Gewebemerkmale übereinstimmen, kann der Körper die Stammzellen abstoßen, sagt Ozan Demircan: „Das entscheidet sich in drei bis vier Wochen.“
Jetzt werden die 1041 abgelieferten Proben untersucht. Das kostet pro Probe 50 Euro. „Früher waren es sogar 600 Mark“, erläutert Ozan Demircan. Deshalb hatten die Organisatoren auch eine Spendenbox aufgestellt. Insgesamt kamen am Sonnabend gut 8000 Euro zusammen. Die größte Einzelspende – 1000 Euro und ein Glückscent – kam von der Klasse 9 L des Gymnasiums aus Vorführungen ihres Films „Schola Latina II“ in lateinischer Sprache. Weitere 153 Euro kamen von der Klasse 8 d, den großen Rest gaben die übrigen Spender.
