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Mehrgenerationenhaus In Nordenham In der Holzwerkstatt wird gesägt und nicht gegoogelt

Jens Milde

Nordenham - Glatte Kanten soll sie haben, die Teddybär-Figur aus Holz. Deshalb rubbelt die neunjährige Mia mit Schleifpapier über die Ränder. Harry Barwich zeigt ihr, wie es geht. Zusammen mit Udo Müller leitet er die Holzwerkstatt im Mehrgenerationenhaus in Nordenham. Mia ist die Enkelin von Harry Barwich. Und sie ist eines von acht Kindern, die in der Holzwerkstatt eine Uhr basteln. So entstehen acht wunderschöne Einzelstücke für das eigene Zimmer, jede einzelne nach eigenen Wünschen gestaltet.

Dass die Kinder etwas mit nach Hause nehmen, das sie anfassen und auf das sie stolz sein können – das wollen Harry Barwich und Udo Müller mit ihrem Angebot erreichen. Vor neun Jahren haben die beiden Rentner die Holzwerkstatt im ehemaligen Waschhaus eröffnet. Und seitdem bieten sie regelmäßig Kurse für Kinder und Jugendliche an. Das Angebot steht beispielhaft für jenes Miteinander der Generationen, das im Mehrgenerationenhaus an der Viktoriastraße gelebt werden soll. Hier lernen die Jungen von den Alten. Und beide profitieren davon.

Es riecht nach Sägespänen in der Werkstatt. Und in vielen Ecken stehen die Prototypen aus früheren Kursen. Ein Wikingerschiff zum Beispiel, Insektenhäuser, ein Bumerang, Hubschrauber und Mühlen, die mit Solarenergie funktionieren. Nächstes Projekt ist eine elektronische Orgel. Die beiden Rentner freuen sich, dass sie inzwischen über ein Top-Ausstattung verfügen. Bandsäge, Bandschleifer, Tellerschleifer, Bohrmaschinen, Lötkolben und vieles mehr.

Ferienpassangebotesehr beliebt

Harry Barwich ist 62 Jahre alt und Frührentner. Er hat Maschinenschlosser und Prozesselektroniker gelernt. Als Elektroinstallateur hat er unter anderem im Schiffbau gearbeitet. „Die Holzverarbeitung habe ich mir selbst beigebracht“, erzählt der Blexer. Auch an Schulen gibt der Rentner seine handwerklichen Fähigkeiten weiter. An der Grundschule Friedrich-August-Hütte leitet er jeden Mittwoch die Technik-AG. Auch an der Grundschule Nord, die im Sommer 2017 ihren Betrieb eingestellt hatte, hat Harry Barwich mit Schülern gearbeitet. Außerdem öffnet er die Holzwerkstatt gemeinsam seinem Kollegen Udo Müller für Ferienpassangebote. „Und da ist die Bude immer voll.“

Für die Kurse außerhalb der Ferien wünscht sich Harry Barwich noch etwas mehr Zulauf. „In den vergangenen Jahren ist das schon etwas weniger geworden.“ Der 62-Jährige vermutet, dass die Ganztagsangebote an den Schulen der Grund dafür sind, dass zuletzt weniger Kinder teilgenommen haben.

Harry Barwich sagt, dass er gerne mit Kindern zusammenarbeitet. Gerade das handwerkliche Arbeiten, das in seiner eigenen Kindheit noch selbstverständlich gewesen sei, komme mittlerweile etwas zu kurz. „Vielleicht liegt es daran, dass die Kinder Spielkonsolen, Computer und Smartphones interessanter finden.“

Schöne Beschäftigung für das Rentenalter

Auch Kollege Udo Müller ist mit großer Leidenschaft in der Holzwerkstatt tätig. „Es macht einfach großen Spaß, sich mit Kindern zu beschäftigen. Das ist eine tolle Sache.“ Der 76-Jährige hat früher als Kfz-Mechaniker gearbeitet. „Als ich in Rente gegangen bin, habe ich dann nach einer schönen Beschäftigung gesucht.“

Udo Müller hat festgestellt, dass die Kinder sehr unterschiedlich an die Sache herangehen, wenn in der Holzwerkstatt etwas Neues gebaut wird. Einige Kinder trauen sich nicht. „Ich kann das nicht“ – diesen Satz aus Kindermund haben die beiden Rentner schon oft gehört. Harry Barwich und Udo Müller machen den Kindern Mut. Und sie freuen sich, wenn die Jungen und Mädchen nach dem Kurs voller Stolz auf das Ergebnis gucken.

Gerne hätten die beiden Rentner noch einen weiteren gewieften Handwerker im Team. Wer Interesse hat, kann sich gerne im Mehrgenerationenhaus melden.

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