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Natur Der Märchenwald muss weichen

Jens Milde

Nordenham - Natascha Schulz, die Leiterin des evangelischen Kindergartens Pusteblume, kann sich noch gar nicht vorstellen, wie es aussieht, wenn die Kastanien von der Bildfläche verschwunden sind. Und es fällt ihr noch schwer, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass in der nächsten Woche auf dem Außengelände des Kindergartens an der Oststraße die Kettensägen rattern. Fast alle der etwa 30 Bäume sollen gefällt werden – aus Sicherheitsgründen.

Äste abgebrochen

Seit September ist das Außengelände gesperrt. Und das hat einen guten Grund. Die Herbststürme haben viele Äste aus den Bäumen herausgebrochen, darunter auch mächtige Exemplare. Noch immer hängen dicke Äste in den Baumkronen, die zu lebensbedrohenden Geschossen werden können, wenn sie herunterfallen. So schön das kleine Wäldchen ist, um das die Pusteblume-Kinder gerade im Sommer beneidet werden, so gefährlich sind die alten Bäume, bei denen es sich überwiegend um Kastanien handelt.

Die evangelische Kirchengemeinde Nordenham, der das Gelände gehört, hat mehrere Gutachten eingeholt. Dabei hat sich nach den Worten von Pfarrer Christopher Iven herausgestellt, dass die Kastanien von der Miniermotte und von Fäulnis befallen sind. Ein radikaler Rückschnitt sei zwar möglich, würde die Baumfällaktion aber nur um einige Jahre hinauszögern. Der Gemeindekirchenrat hat sich deshalb für die noch radikalere Variante entschlossen. Die kranken Bäume werden samt Wurzeln entfernt. „Diese Entscheidung ist nicht leicht gefallen“, betont Christopher Iven. Dass es dringenden Handlungsbedarf gibt, daran besteht für ihn aber kein Zweifel.

Der evangelische Kindergarten ist stolz auf sein naturnah gestaltetes Außengelände, das im Sommer ein wenig an einen Märchenwald erinnert. Zwischen vier Kastanien sind Hängebrücken gespannt, die einen Klettergarten bilden. Diese Kastanien sollen oberhalb der Befestigungen gekappt werden. Es gibt einen Wahrnehmungspfad und weitere Spielmöglichkeiten, die wunderbar in die Natur eingebettet sind und bei den Fällarbeiten keinen Schaden nehmen sollen.

Das Außengelände mit seinem urigen Charme ist das Prunkstück des Kindergartens und ein wichtiger Bestandteil des pädagogischen Konzepts. „Dass dieses Gelände seit Monaten nicht mehr zur Verfügung steht, ist für alle Beteiligten eine Belastung“, sagt Natascha Schulz. Die Erzieherinnen müssen mit den Kindern auf umliegende Spielplätze ausweichen. Außerdem hat die Südschule zusätzliche Zeiten für die Nutzung der Sporthalle bereitgestellt, damit sich die Jungen und Mädchen austoben können. Aber der Wegfall des Außengeländes kann dadurch nicht kompensiert werden. „Viele Eltern stellen bereits fest, dass die Kinder nicht so ausgelastet sind, wie sie es nach einem Tag im Kindergarten sein sollten“, sagt Natascha Schulz.

Neue Bepflanzung

Die Kosten für die Baumfällungen sind nicht von Pappe. Christopher Iven geht von einem „niedrigen fünfstelligen Betrag“ aus. Auch die fest eingeplante Neubepflanzung des Außengeländes gibt es nicht zum Nulltarif. Der Kindergarten setzt bei der Planung und der Finanzierung auch auf die Unterstützung der Eltern und des Fördervereins. Natascha Schulz will bei der Planung eines naturnahen Außengeländes zudem den Arbeitskreis Holunderschule einbeziehen. Dabei handelt es sich um eine Initiative von Pädagogen und Landschaftsgärtnern, die sich genau darauf spezialisiert und schon einmal wertvolle Unterstützung für den Kindergarten Pusteblume geleistet hat.

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