NORDENHAM - Die Tür zum Klassenzimmer ist angelehnt. Dennoch dringt nur selten ein Wort nach draußen. Drinnen herrscht die ideale Lernatmosphäre: 4 Abiturienten kümmern sich um 6 Grundschüler, helfen ihnen bei ihren Hausaufgaben und ganz allgemein beim Lernen.
In zwei anderen Klassenzimmern betreuen 7 weitere Gymnasiasten 15 weitere Grundschüler. Dann unterbrechen sie die konzentrierte Stille für ein paar Minuten, um sich für dieNWZ
fröhlich zum Foto aufzureihen. Sie tragen 6 Pakete mit Buchstaben in den Händen, zusammen ergeben sie den Satz „Wir sind das Bildungspaket“. Dann sind sie zurück bei ihren Schülern.Auch für gute Schüler
Dass sie überhaupt hier an der Nordschule sind, haben die Abiturienten dem Lehrerkollegium mit Rektor Reinhard Duddeck an der Spitze und dem Nordenhamer Kinderschutzbund zu verdanken. Das Lehrerkollegium hat beschlossen, aus dem viel kritisierten Bildungspaket von Bundessozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) das beste für die Schüler herauszuholen – und zwar für alle, die in Frage kommen, nicht nur für die Schwächsten.
„Wir möchten, dass jedes Kind, das zum Gymnasium kommen könnte, auch zum Gymnasium kommt“, sagt Reinhard Duddeck. Deshalb hat er sich darum bemüht, dass alle 21 von gut 100 Nordschülern, deren Eltern Hartz IV, Sozialhilfe oder Wohngeld beziehen, in den Genuss des Bildungspakets kommen. Das Lehrerkollegium hat die 21 Anträge eingesammelt und gebündelt an die Kreisverwaltung geschickt.
Die prüft die Anträge derzeit noch, hat aber schon einmal mündlich grünes Licht gegeben, sagt Reinhard Duddeck. Deshalb konnte die Schule den Kinderschutzbund in Nordenham als Dienstleister mit der Organisation der Hausaufgabenhilfe und Lernförderung beauftragen. Dort nimmt sich Ina Francksen-Geil dieses Projekts an, die erst im März in den Beirat des Ortsverbandes gewählt worden ist. Am 2. Mai ist das Projekt gestartet. Ein solches Angebot, sagt Reinhard Duddeck, gibt es an keiner anderen Grundschule in Nordenham.
„Das ist mein erstes Projekt, und es macht mir sehr viel Spaß“, ergänzt Ina Francksen-Geil. Natürlich kam ihr zupass, dass die Abitur-Prüfungen gerade beendet sind und Abiturienten Zeit für Nachhilfe haben. Weniger schön ist, dass die meisten Abiturienten Nordenham nach dem Sommer verlassen werden. Denn zwischen den Grundschülern und den Abiturienten ist schon in kurzer Zeit ein enges persönliches Verhältnis gewachen, sagt Ina Francksen-Geil. Die Abiturienten empfinden fürsorgliche Gefühle für die Schüler, die Schüler motiviert die enge Bindung an ihren Abiturienten zum Lernen.
Der Förderunterricht läuft montags bis donnerstags jeweils von 13.30 bis 15.45 Uhr. Vor allem in Deutsch und Rechnen werden die Schüler gefordert und gefördert.
Das Nachmittags-Angebot der Nordschule ist nicht grundsätzlich neu. Schon seit Beginn des Schuljahres ist die Grundschule an der Viktoria- straße, wie berichtet, Ganztagsschule. Insgesamt 46 Schüler nehmen das Angebot an, dafür finanziert die Stadt 21 Hilfskräfte, unter anderem für Hausaufgaben-Betreuung.
Neue Helfer gesucht
Wann die Abiturienten Geld aus dem Bildungspaket bekommen, wissen sie nicht. Die 21 Anträge werden ja noch geprüft. Aber schon sucht der Kinderschutzbund neue Hausaufgabenhelfer, außer Gymnasiasten auch gerne Realschüler, Erzieher, qualifizierte Hartz-IV-Empfänger und pensionierte Lehrer. Sie können sich unter Telefon 2 20 94 melden.
