Nordenham - „Herzlich willkommen“ steht auf den Karten, die eine Projektgruppe der Oberschule 1 gebastelt hat. Den Willkommensgruß gibt es in vielen verschiedenen Sprachen auf bunt verzierten Karten. Sie sollen dazu beitragen, dass sich neue Schüler, egal welcher Herkunft, von Anfang an wohlfühlen an der Schule. Eine prima Idee. Beim Projekttag der Oberschule I geht es am Freitag um das Thema „Schule ohne Rassismus“. Aber im Prinzip geht es noch um viel mehr. Es geht um Ausgrenzung. Und vor allem darum, was man tun kann, damit sich niemand ausgegrenzt fühlt.
Die Oberschule I darf sich seit 2011 „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ nennen. Dafür müssen die Schüler Jahr für Jahr etwas auf die Beine stellen, um zu zeigen, dass sie sich gegen Rassismus einsetzen. Die Schülervertretung hat sich zu einem Großteil um die Vorbereitung gekümmert. Entstanden sind zahlreiche Projekte, die sich mit ganz unterschiedlichen Formen von Rassismus oder Ausgrenzung beschäftigen.
Eine Gruppe von Schülern besucht zum Beispiel die katholische St.-Willehad-Kirche und die Moschee an der Walther-Rathenau-Straße. Diese Exkursion hat vor dem Hintergrund der Farbschmierereien an dem muslimischen Gotteshaus eine besondere Aktualität. „In andere Kulturen und Religionen hineinzuschnuppern ist ein Ziel unseres Projekttages“, sagt Cagla Karaboyun. Die Zehntklässlerin gehört gemeinsam mit Emily Geßner, Sarah Duhm und Louis Ohlhoff zum Schülerteam, das den Projekttag vorbereitet hat.
„Wir wollen zeigen, was Rassismus ist. Und wir wollen, dass jeder gleich behandelt wird, egal, welche Hautfarbe oder welche Herkunft er hat“, sagt Emily Geßner. In einem Projekt geht es beispielsweise um Rassismus in der Kunst. Hier werden Bilder analysiert, die mehr oder weniger versteckten Rassismus enthalten. Wie verletzend Sprache sein kann, erfahren die Schüler im Projekt „Hate Speech“.
Natürlich spielt auch das Verbindende eine große Rolle beim Projekttag. Dazu gehört zum Beispiel der Sport. Der kommissarische Schulleiter Ingo Voss hat auf dem Pausenhof schon oft beobachtet, dass beim Fußballspielen auf dem Pausenhof Schüler ganz unterschiedlicher Herkunft ganz schnell zueinander finden. Das Gleiche gilt zum Beispiel für die Musik.
„Wichtig ist, dass wir alle respektvoll miteinander umgehen“, sagt Emily Geßner. Und dazu ist es wichtig, sich gegenseitig kennenzulernen. Vielen ist die Vielfalt in der Schule und in der Stadt gar nicht so recht bewusst. Lehrer Martin Koch ist mit seiner Projektgruppe in Nordenham unterwegs, um herauszufinden, was für unterschiedliche Restaurants es in Nordenham gibt.
Als sichtbares Zeichen für die bunte Vielfalt an der Schule entsteht im Werkraum ein riesiges Mobile aus Holz. Auf Holzplatten sind die Fahnen der Länder abgebildet, aus denen die Schüler oder ihre Vorfahren kommen. Es zeigt, dass an der Oberschule jeder willkommen ist und dass Rassismus keine Chance hat.
