NORDENHAM - Thomas Passmann und Sebastian Wegener fürchten um die Unterrichtsqualität an Gymnasien. Grund dafür ist die geplante Oberschule, die die beiden Nordenhamer Gymnasiallehrer mit größter Skepsis sehen. In dieser Ansicht wurden sie beim Niedersachsentag des Philologenverbandes in Goslar bestärkt.
Dort bezeichneten mehrere ihrer Kollegen Gymnasiallehrer die Gesamtschule als „vielfach gescheiterte Schulidee“. Sie habe als Alternative zum gegliederten Schulsystem ausgedient. Seit mehr als 20 Jahren zeigten alle empirischen Untersuchungen, dass der Lernerfolg an einem Gymnasium ungleich höher sei als an einer Gesamtschule, in der jüngsten PISA-Studie war die Gesamtschule auch den Realschulen unterlegen.
Deshalb zeigten sich die Gymnasiallehrer darüber bestürzt, dass Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) nun dabei sei, „mit der Oberschule eine Gesamtschule quasi als Regelschule einzuführen“. Es stehe fest, dass gerade in ländlichen Gebieten die Gründung neuer Schulen mit Gymnasialzweigen die Wahlmöglichkeiten der Schüler und die Qualität des Unterrichts sowohl an der Oberschule als auch am Gymnasium verschlechtern werde.
So war die programmatische Ausrichtung des Philologenverbandes klar: Einzügige Gymnasialzweige an Oberschulen verdienten den Namen nicht, da sie den Schülern über Jahre hinweg weder Lehrerwechsel noch Wahlmöglichkeiten beispielsweise im sprachlichen Profil bieten könnten, zwei- oder mehrzügige Gymnasialzweige seien in der Regel existenzielle Bedrohungen für die örtlichen Gymnasien, deren Bestand ja vom Kultusminister gesetzlich garantiert wird. Die Schulreform sei also ein Projekt, das in seiner jetzigen Form weder Qualität noch Zukunft habe.
Sebastian Wegener ist überzeugt davon, dass die vorgeschlagene Zusammenarbeit zwischen Gymnasien und Oberschulen kaum möglich sei – allein schon, weil sie, außer in großen Städten, viel zu weit auseinander liegen, um den Schülern schulübergreifende Angebote machen zu können. Wegener wörtlich: „Allen schönen Worten aus der Politik zum Trotz muss klar sein: Hier findet ein massiver Raubbau an den Bildungschancen der Kinder statt, besonders auch jener Kinder, die heute noch gar nicht in der Schule sind“.
Zudem könne die jetzt Oberschule genannte Gesamtschule auch Gymnasien ersetzen. Jetzt setzen die Philologen auf den Kommunalwahlkampf im nächsten Jahr.
