NORDENHAM - „Eigentlich habe ich immer getanzt“, sagt Frauke Kewer. Mit drei Jahren fing sie an, und mit 37 hat sie so richtig aufgedreht. Damals, im Januar 1985, gründete sie die SVN-Folkloresparte, die heutige Abteilung Tanzen. 25 Jahre ist das jetzt her – und das wird natürlich gefeiert: mit einem Frühschoppen in der Jahnhalle am Sonntag,17. Januar, ab 11 Uhr.
Mutter kommt aus Blexen
Frauke Kewer ist in Oldenburg geboren und in der südlichen Wesermarsch aufgewachsen: in Deichshausen bei Lemwerder, wo ihr Vater Arthur Pliusz (gesprochen: Pleu) die damalige Volksschule leitete. Ihre Mutter Anneliese war eine geborene Speetzen und stammte aus Blexen. Von ihr hat sie die Begeisterung für den Volkstanz geerbt, von ihrem Vater die Freude am Lehren.
Ihre Mutter hatte sich als Autodidakt im Volkstanz fortgebildet und bot in der Deichshauser Schule Volkstanz für die Kinder an. Aber wo sollte sie die dreijährige Frauke lassen? „Ich war die jüngste von vier Geschwistern und konnte noch nicht allein zu Hause bleiben“, erzählte Frauke Kewer. Also nahm ihre Mutter sie mit zum Volkstanz-Unterricht. Und was machte Frauke dort? Sie tanzte begeistert mit – obwohl die Schulkinder viel größer waren als sie.
Nach der Volksschule besuchte sie ein Bremer Gymnasium und anschließend die Höhere Handelsschule. 1967, mit 20, heiratete Frauke Kewer einen Ingenieur. Sie bekam drei Kinder – und musste wegen ihrer familiären Verpflichtungen auf das Tanzen verzichten. „Das war fürchterlich“, stöhnt sie noch heute. Doch auch dieses ging vorbei, und 1982 startete sie eine Zusatzausbildung in Tanzpädagogik. Kaum hatte sie 1984 das Diplom bestanden, ging‘s nach Nordenham.
Sogleich machte Frauke Kewer sich auf die Suche nach einem Volkstanz-Anbieter – und fand das Studio S. Dort war sie allerdings nie richtig zufrieden, weil ihr die Gruppen nicht groß genug waren. Deshalb wechselte vom kleinen Sportstudio zum größten Sportverein, dem SVN. Dort gab es schon Folklore für Ältere; Frauke Kewer ergänzte es um ein Angebot für Jüngere. Der Rest ist Geschichte.
Frauke Kewer lernte Barbara und Eide Feldhusen kennen – und bald darauf auch Gisa und Wolfram Henke. „Barbara Feldhusen kennt fast ganz Nordenham“, erzählt Frauke Kewer – und bald kannten viel mehr Leute das neue Folklore-Angebot des SVN. Wolfram Henke war Lehrer an der Realschule I und besorgte Übungszeiten in der Turnhalle der Schule.
Immer mehr Interessierte stießen dazu: Theda und Thomas Egermann, Gesine und Jürgen Lohse, Sigrid und Juan von Lücken. Mitte 1985 hatte die Folklore-Sparte schon mehr als 30 Mitglieder. Im selben Jahr nahm Frauke Kewer erste Kontakte zur englischen Partner-Kommune des Landkreises Wesermarsch, dem Borough of Havant auf. Es folgten Besuche und Gegenbesuche, der Kontakt zu den Havant Dancers und ihrer Leiterin Pamela Stallworthy bestand lange.
1986 hatte sich schon eine Jugendgruppe etabliert – und die wollte gerne beim Internationalen Musik- und Folklorefestival des Bürgervereins City Süd teilnehmen. Dessen Vorsitzender Rudi Bertram war skeptisch – und gab den Jugendlichen einen 14-Uhr-Termin. „Kein Mensch war da, nur die für den Aufbau zuständigen Leute“, erinnert sich Frauke Kewer.
Bei den Stelzentänzern
Doch sie steckten nicht auf. Frauke Kewer knüpfte Kontakte zu den Stelzentänzern von Biscarosse in Südfrankreich. Bald wurden die Nordenhamer Tänzer zu Festivals in Biscarosse, in Peterlee, in Bray (Irland), Woronesch (Russland) und Swinemünde (Polen) eingeladen und veranstalteten auch selbst zwei Festivals. Seit 1990 nennen sich die von Frauke Kewer trainierten Tänzer „Lawai“. Das ist das alte friesische Wort für Streik.
„Vor allem die Jugendlichen haben viel gelernt“, sagt Frauke Kewer. „Sie lernten andere Kulturen kennen und tolerieren und sie lernten damit umzugehen, dass es weh tut, wenn sie sehen, wie es in einigen Gastländern aussieht – zum Beispiel in Russland.“
Zurzeit ist es etwas ruhiger um die Tänzer geworden, aber Frauke Kewer wäre nicht Frauke Kewer, wenn sie nicht an einen neuen Aufschwung einiger Gruppen arbeiten würde.
